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RFA und VOA schließen Tibet-Redaktionen-Verlust für die tibetische Medienlandschaft

02/2025 • Brennpunkt Tibet • Verschiedenes

1. August 2025

Die Nachricht erschütterte die tibetische Diaspora: Im Mai 2025 wurden die tibetischen Redaktionen der US-finanzierten Nachrichtensender Radio Free Asia (RFA) und Voice of America (VOA) offiziell geschlossen. Damit verlieren Millionen Tibeter*innen im Exil und innerhalb Tibets zwei ihrer letzten unabhängigen Informationsquellen.

VON TENZYN ZÖCHBAUER

Die Schließungen der tibetischen Nachrichtenplattformen sind das direkte Resultat massiver Kürzungen durch die US-Regierung unter Präsident Donald Trump. Am 15. März 2025 kündigte die Trump-Regierung per Executive Order die Finanzierung mehrerer US-finanzierter Auslandsmedien, darunter Radio Free Asia (RFA), Voice of America (VOA) und Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL). Sowohl RFA als auch VOA hatten sich über Jahrzehnte professionelle Redaktionen aufgebaut, die auf Tibetisch über Tibet berichteten. Die beiden Sender verbreiteten täglich Nachrichten, Analysen und Kulturprogramme – nicht nur über ihre Kurzwellensender, sondern auch über soziale Medien und ihre Websites. Die Nachrichten wurden teils unter hohem persönlichen Risiko aus Tibet heraus- oder hineingeschmuggelt – ein stiller Widerstand gegen die „Great Firewall“ der chinesischen Regierung.

„Als Journalist hat meine Arbeit beim RFA-Dienst als Brücke zwischen den Menschen, die unter Chinas autoritärer Herrschaft in Tibet leben, und denen in der freien Welt gedient.“

„Als Journalist hat meine Arbeit beim RFA-Dienst als Brücke zwischen den Menschen, die unter Chinas autoritärer Herrschaft in Tibet leben, und denen in der freien Welt gedient. Für meine Berichterstattung habe ich mit vielen Quellen aus Tibet gesprochen, die aufs Land hinausgehen, um unsere Sendungen zu hören – und genau das hat mich dazu angetrieben, noch härter zu arbeiten, um unser Publikum zu erreichen.“, berichtet der Journalist Tashi Wangchuk. Seit der Gründung des RFA Tibetan Service im Jahr 1996 war dieser Dienst eine der wenigen verlässlichen Quellen für unzensierte Nachrichten in der Region. Neben Tibet selbst erreichte das Programm tibetischsprachige Gemeinschaften in China, Indien, Nepal, Bhutan und weltweit. Auch VOA, im zweiten Weltkrieg gegründet, entwickelte sich zur Plattform für Meinungsfreiheit im Himalaya-Raum.

Rechtliche Auseinandersetzung und internationaler Appell

Als die Kürzungen im März 2025 angekündigt wurden, reagierten Tibet-Organisationen weltweit mit einem offenen Brief: 146 tibetische Organisationen, darunter auch die Tibet Initiative Deutschland, forderten von der US-Regierung, RFA und VOA von den Kürzungen zu verschonen und das wichtige Sprachrohr nicht stillzulegen. „RFA und VOA sind eine Lebensader für die Menschen in Tibet, die in einem Informationsvakuum unter der eisernen Faust der Kommunistischen Partei Chinas leben“, heißt es in dem Brief. „Wir appellieren eindringlich an die US-Regierung, diese kritischen Dienste sofort wieder vollständig zu finanzieren.“ Doch der öffentliche Appell blieb unbeantwortet. Am 27. März 2025 reichten RFA und weitere Betroffene Klage beim Bundesbezirksgericht in Washington D.C. ein – gegen die US-Regierung, die U.S. Agency for Global Media (USAGM), das Office of Management and Budget (OMB), das Finanzministerium sowie mehrere verantwortliche Regierungsbeamte.

Am 22. April 2025 entschied der zuständige Richter, dass die Kürzungsmaßnahmen vermutlich gegen mehrere Gesetze und die Verfassung verstoßen, und erließ eine einstweilige Verfügung, die eine vorläufige Wiederaufnahme des Betriebs ermöglichte. Doch nur wenige Tage später – am 3. Mai 2025 – wurde diese Verfügung durch ein Bundesberufungsgericht ausgesetzt. Die Finanzierung wurde erneut blockiert, was dramatische Folgen hatte: RFA musste rund 90 Prozent der Belegschaft in den USA entlassen und mehrere Sprachdienste – darunter Tibetisch, Burmesisch, Uigurisch und Laotisch – vollständig einstellen. Allein im tibetischen Dienst verloren 32 Mitarbeiter*innen ihre Festanstellung. Die juristische Auseinandersetzung ist derzeit noch nicht abgeschlossen. Die Blockade der Mittel durch das Berufungsgericht bleibt bestehen – das Schicksal des tibetischen Nachrichtendienstes verbleibt somit weiterhin in der Schwebe.

Verlust der Stimmen Tibets

RFA und VOA Tibetan waren mehr als Nachrichtenkanäle, sie waren auch eine Plattform zur kulturellen Bewahrung der tibetischen Sprache. In einer Zeit, in der die chinesische Regierung systematisch die tibetische Sprache in tibetischen Schulen zurückdrängt, sind und waren die Plattformen ein Ort der gelebten Kultur und der tibetischen Sprache. Ein kleiner Akt des Widerstandes gegen die Zerstörung der tibetischen Identität. Wie die Bloggerin und Autorin Tsering Woeser berichtet, lauschten tibetische Hörer*innen mit großem Interesse und im Geheimen den Berichten über den Dalai Lama, die Exilregierung und die tibetische Freiheitsbewegung im Exil. Auch für die Arbeit der Tibet Initiative in Deutschland stellen die Schließungen einen drastischen Verlust dar.

Als zivilgesellschaftliche Organisation ist die TID auf verlässliche, gut recherchierte Informationen aus Tibet angewiesen – sei es für politische Briefings, Menschenrechtsberichte, Gespräche mit Entscheidungsträgern oder Öffentlichkeitsarbeit. RFA und VOA sind für die TID unverzichtbare Quellen, um Entwicklungen vor Ort einzuordnen und fundierte Analysen zu liefern.

Ein aktuelles Beispiel für die Bedeutung der beiden Sender sind die Proteste in Dege im vergangenen Jahr. Dank mutiger Journalist*innen, die Videomaterial und Augenzeugenberichte unter großen Risiken aus Tibet herausschmuggelten und über RFA verbreiteten, gelang es uns, das Thema in die deutsche Öffentlichkeit zu bringen. Diese Informationen ermöglichten es uns, eine Petition zu starten, die von mehr als 10.000 Menschen unterschrieben wurde – ein starkes Signal der Solidarität mit den Menschen in Tibet.

Ein weiteres Beispiel sind die Berichte über die Flaggen- Kampagne der Tibet Initiative. Diese wird über die Berichterstattung von RFA Tibetan auch in Tibet wahrgenommen und zeigt auch Menschen in Tibet, dass sie nicht allein in ihrem Kampf für Freiheit sind. In einem Umfeld, in dem die chinesische Regierung gezielt Desinformation betreibt, waren RFA und VOA ein Stützpfeiler für unsere Tibet-Arbeit in Deutschland. Ihr Wegfall hinterlässt eine Lücke, die nur schwer zu schließen sein wird.

Die Suche nach neuen Wegen

Während unabhängige tibetische Medien verstummen, baut die chinesische Regierung systematisch ihren globalen Medieneinfluss aus – auch in tibetischer Sprache. Die chinesische Staatspropaganda feierte die US-Kürzungen offen als Sieg über „westliche Einmischung“. RFA, VOA und andere betroffene Organisationen setzen sich weiterhin intensiv für die Wiederherstellung ihrer Finanzierung ein und suchen nach passenden Lösungen.

Zugleich gibt es Bestrebungen, neue Formate zu entwickeln und dabei gezielt auf das Fachwissen der tibetischen Journalist* innen zurückzugreifen. Dennoch wird es Zeit brauchen, bis sich die tibetische Medien- und Vereinslandschaft von diesem schweren Einschnitt erholt hat. Auch die Tibet Initiative Deutschland ist sich ihrer Verantwortung bewusst und wird nach Wegen suchen, wie sie gezielt Unterstützung leisten kann.

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Last modified: 1. August 2025

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