VON LEA FRÜHWIRTH

Lea Frühwirth analysiert, wie staatlich kontrollierte chinesische Medien auf Facebook gezielt ein geschöntes Bild von Tibet verbreiten. Anhand von 263 deutschsprachigen Beiträgen zeigt sie, wie idyllische Landschaften, glückliche Menschen und vermeintlicher Fortschritt genutzt werden, um von der systematischen Unterdrückung der tibetischen Bevölkerung abzulenken und die internationale Wahrnehmung Tibets zu beeinflussen.
China strebt nach einer positiven Außendarstellung. Was Xi Jinping 2013 erstmals als „Telling China’s Story Well“ (China Media Project, 2021) vorstellte, ist inzwischen auch auf deutschen Endgeräten angekommen. Das freundliche Bild soll letztlich helfen, internationalen Einfluss zu sichern und den USA den Rang abzulaufen (Hamilton & Ohlberg, 2022). Kritische Berichte über die Unterdrückung von Minderheiten in Tibet und Xinjiang (China Media Project, 2021), die Übergriffe auf die Demokratiebewegung in Hongkong (Fulda, 2025) sowie die anhaltenden Drohungen gegenüber Taiwan (Der Spiegel, 2026) stören dieses Bild. Aus Sicht der Partei sollen sie möglichst vermieden werden.
Chinesische Auslandsmedien sollen deutsches Publikum ansprechen
Zu den chinesischen Kommunikationsbemühungen gehören Auslandsmedien, die ein internationales Publikum in verschiedenen Sprachen ansprechen sollen. Dabei handelt es sich nicht schlicht um Medien aus China, sondern um staatlich kontrollierte Angebote, die die Parteilinie wiedergeben. Da sich diese Kommunikation auch an eine junge Zielgruppe richtet (Harold et al., 2021), liegt die Nutzung sozialer Medien nahe. Während die englischsprachigen Präsenzen der Auslandsmedien unter anderem TikTok und Instagram bespielen, scheint der Schwerpunkt ihrer deutschsprachigen Präsenzen auf Facebook zu liegen. Im Gegensatz zu russischen Auslandsmedien wie RT DE/Russia Today (Rat der Europäischen Union, 2022) sind die chinesischen Angebote von Deutschland aus problemlos abrufbar. Meta kennzeichnet ihre Facebook-Seiten als „staatlich kontrolliert“, posten dürfen sie aber weiterhin (Meta, o. D.). Während chinesische Bürger:innen Facebook und andere westliche Plattformen nicht aufrufen dürfen, können Chinas staatlich kontrollierte Auslandsmedien dort ein deutsches Publikum mit Propaganda bespielen. Aus dem Transparenztool der Plattform, das beispielsweise Desinformationsforschenden Einblicke in potenziell irreführende Kommunikation gewähren soll, sind von China aus veröffentlichte Inhalte ausgenommen (Frühwirth, 2026a).
Darstellung Tibets auf deutschsprachigen chinesischen Auslandsmedien
Welche Bilder von Tibet vermitteln staatlich kontrollierte Auslandsmedien einem deutschsprachigen Publikum in den sozialen Medien? Für diese Analyse wurden Beiträge der Facebook-Seiten von Xinhua Deutsch, CGTN, China.Org und Beijing Rundschau sowie der themenspezifischen Seite Tibet Online Deutsch untersucht. Erfasst wurden alle Beiträge zu Themen rund um Tibet, die zwischen Mai und Juli 2026 erschienen. So entstand ein Datensatz mit 263 Beiträgen.
Während chinesische Bürger*innen Facebook und andere westliche Plattformen nicht aufrufen dürfen, können Chinas staatlich kontrollierte Auslandsmedien dort ein deutsches Publikum mit Propaganda bespielen.
Zahlen, Daten, Fakten: Eckpunkte des Datensatzes
Laut Facebook-Metriken kommen die untersuchten Seiten zusammen auf 138.220.000 Follower*innen (Stand: 1. September 2026). Die erfassten Beiträge erzielten mindestens 6.958.832 Views, 24.406 Likes, 267 Shares und 147 Kommentare (Stichtag: 27. August 2026). Gemessen an den hohen Follower*innenzahlen fallen die Interaktionen verhältnismäßig gering aus: 91 Prozent der Beiträge erhielten höchstens zehn Likes. Nur acht Prozent wurden überhaupt kommentiert. Die vorhandenen Kommentare erwecken keinen authentischen Eindruck. Auch die Authentizität der hohen Follower*innenzahlen ist insgesamt infrage zu stellen.



Abbildung 1: Screenshots der Kommentarspalten von drei stärker kommentierten Beiträgen. Zeitpunkt und Inhalt der Kommentare gleichen sich stark. Nur einer der abgebildeten Kommentare nimmt konkret Bezug auf den jeweiligen Beitrag.
Erhöhte Aktivität zum Jahrestag der vermeintlich friedlichen Befreiung
Bei den Veröffentlichungszeitpunkten fällt eine Häufung um den 22. Mai 2026 auf. An diesem Tag teilten die Seiten vor allem Erzählungen zur vermeintlich friedlichen Befreiung Tibets sowie Beiträge über Kunst und Kultur.

Die Häufung fällt auf den Tag vor dem Jahrestag der Unterzeichnung des 17-Punkte-Abkommens am 23. Mai 1951. China stellt dieses Datum als „Tag der friedlichen Befreiung“ Tibets dar (Bundeszentrale für politische Bildung [BpB], 2021). Tatsächlich erfolgte die Angliederung gegen den Willen der damaligen tibetischen Regierung. Durch die chinesische Militärpräsenz sei sie faktisch gezwungen gewesen, dem 17-Punkte-Abkommen zuzustimmen. Es regelte Tibets „Rückkehr“ in den „Schoß der großen Familie der Volksrepublik China“. Die darin enthaltenen Versprechen zur Wahrung von Kultur, Religion und Autonomie des Gebiets wurden seitens der KPCh gebrochen, was bereits in den 1950ern Aufstände zur Folge hatte (BpB, 2021; Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe, o. D.).
Verteilung nach Facebook-Seiten
Die Hälfte der erfassten Beiträge geht auf die Facebook-Seite des themenspezifischen Auslandsmediums „Tibet Online Deutsch“ zurück. An zweiter Stelle steht mit 27 Prozent die zu CGTN gehörende Facebook-Seite „CRI German“, gefolgt von der Seite der Beijing Rundschau auf Platz drei.

Inhaltliche Auswertung
Konsequente Bezeichnung als „Xizang“
Das autonome Gebiet Tibet wird im Datensatz konsequent mit dem chinesischen Begriff „Xizang“ bezeichnet. Die offizielle chinesische Auslandskommunikation begann 2022, diesen Ersatzbegriff einzuführen. Das China Media Project sieht darin den Versuch, den internationalen Interpretationsrahmen für das Gebiet neu zu bestimmen: Während der Name Tibet international mit den Menschenrechtsverbrechen der KPCh assoziiert sei, wolle man mit „Xizang“ ein neues Kapitel aufschlagen und sich dieser Debatte entziehen (China Media Project, 2022). Lediglich in einem Beitrag wird die Provinz als Tibet benannt. Abseits der Gebietsbezeichnung kommt der Begriff Tibet durchaus vor, etwa für die Bevölkerung („Tibeter“), die Kultur („tibetisch“, „Tibetoper“) oder in Eigennamen wie „Tibetantilope“. Auch das staatliche Auslandsmedium mit Tibet-Schwerpunkt trägt weiterhin den Namen „Tibet Online“, wenngleich inzwischen neuere Webpräsenzen mit dem Namen Xizang zu beobachten sind. Bei den Hashtags zeigt sich ein ähnliches Bild: #Tibet wird in 29 Prozent der Beiträge verwendet, #Xizang in 65 Prozent. Es ist anzunehmen, dass der etablierte Name „Tibet“ als Hashtag genutzt wird, weil „Xizang“ außerhalb der chinesischen Staatskommunikation bislang vergleichsweise unbekannt ist. So können Nutzende die Beiträge leichter finden und zugleich nach und nach an den parteigenehmen Begriff „Xizang“ gewöhnt werden.
Chinesische Auslandsmedien präsentieren ein vermeintlich florierendes Tibet
Insgesamt soll beim deutschen Publikum offenbar der Eindruck eines glücklichen Tibets unter chinesischer Führung entstehen. Immer wieder geht es um den scheinbar spielerischen Erhalt tibetischer Kultur bei gleichzeitig freundschaftlichem Kontakt zur chinesischen Bevölkerung. Besonders oft wird betont, wie sehr sich die Lebensbedingungen der tibetischen Bevölkerung verbessert hätten, teils expliziter Erwähnung der vermeintlichen „friedlichen Befreiung vor 75 Jahren“. Etwa ein Viertel der Inhalte zeigt malerische Landschaften oder die Natur- und Tierwelt. So entsteht das Bild eines Gebiets, das freundlich gefördert wird, sich prächtig entwickelt und mit idyllischer Natur, reicher Kultur und glücklichen Menschen zu einem Besuch einlädt. Die Beiträge liefern damit eine Gegenerzählung zu den zahlreichen Vorwürfen, die Menschenrechtsorganisationen gegenüber der KPCh mit Blick auf Tibet erheben.
Berichte über Kunst und Kultur sollen kulturelle Freiheit belegen
Etwa 38 Prozent der Beiträge erzählen die Annäherung Tibets an China als freundlich, vorteilhaft und ungefährlich für die tibetische Kultur. Meist zeigen sie Traditionen oder Kulturgüter, die erhalten geblieben seien oder besonders geschützt würden. Es geht etwa um Kunsthandwerk, traditionelle Kleidung oder tibetische Architektur, präsentiert in fröhlichem Ton und begleitet von lachenden Emojis. Auch der Buddhismus wird argumentativ ins Feld geführt, um den vermeintlichen Schutz der tibetischen Kultur zu belegen.



Abbildung 4: Screenshots von Beiträgen über tibetisches Kulturgut. Ein fröhlicher Ton und bunte Emojis erwecken den Eindruck einer frei gelebten Kultur.
Ohne es ausdrücklich zu sagen, sollen diese Beiträge augenscheinlich konkrete Vorwürfe gegenüber der KPCh widerlegen. Dazu gehört der Vorwurf einer erzwungenen Assimilation der tibetischen Kultur durch die Unterdrückung kultureller, religiöser und sprachlicher Freiheiten sowie durch die erschwerte Weitergabe von Traditionen und Kulturgut zwischen den Generationen. Im Juli 2026 trat ein Gesetz in Kraft, das diese Prozesse unter parteiüblichen Begriffen wie „Fortschritt“ und „Entwicklung“ noch verstärken dürfte (Dhongdue, 2026). Die fröhlichen Bilder, die staatlich kontrollierte Auslandsmedien über Tibet verbreiten, sollen diese Assoziationen offenbar bunt übermalen. Das Vorgehen erinnert an ähnliche Kommunikation zu Xinjiang (Frühwirth, 2026a).
Die Beiträge liefern damit eine Gegenerzählung zu den zahlreichen Vorwürfen, die Menschenrechtsorganisationen gegenüber der KPCh mit Blick auf Tibet erheben.
Früher war alles schlechter: Erzählungen verbesserter Lebensbedingungen
Ein weiteres knappes Drittel der Beiträge erzählt von guten oder verbesserten Lebensbedingungen in Tibet. Besonders häufig geht es um Infrastrukturprojekte, vor allem um die Qinghai-Xizang-Eisenbahn, die das Leben der tibetischen Bevölkerung spürbar verbessere. Hinzu kommen Berichte über eine erstarkende Wirtschaft, bessere Bildungs- und Berufschancen oder Gesundheitsinitiativen. Immer wieder wird die vermeintliche „friedliche Befreiung“ Tibets ausdrücklich als Beginn einer deutlich höheren Lebensqualität dargestellt.



Abbildung 5: Screenshots von Beiträgen zum Jahrestag der vermeintlich „friedlichen Befreiung“ Tibets. Sie wird als Beginn verbesserter Lebensbedingungen dargestellt, den die tibetische Bevölkerung heute dankbar feiere.
Auch Bildungsinitiativen und Schulprojekte werden wiederholt als Belege für eine erfolgreiche gesellschaftliche Entwicklung Tibets unter chinesischer Führung angeführt. Berichte von Eltern, Jurist*innen und Menschenrechtsorganisationen lassen die Schulen allerdings in einem anderen Licht erscheinen. Demnach dienen sie einer erzwungenen Umerziehung, die ein mögliches Aufbegehren der Minderheit gegen die KPCh frühzeitig unterbinden soll (Buckly & Qian, 2025). Es wird angenommen, dass der verpflichtende Unterricht in Mandarin in Kombination mit langen Abwesenheiten der Kinder von zu Hause die Weitergabe tibetischer Sprache und Kultur zwischen den Generationen unterbrechen sollen (Dhongdue, 2026; Human Rights Watch, 2026). Die deutsche Bundesregierung sprach 2023 von Zwangsinternaten, die die Menschenrechte verletzten („heute im bundestag“ [hib], 2023). Chinesische Auslandsmedien stellen die Schulen hingegen als Wohltat für die lokale Bevölkerung dar.
Auch Erzählungen vergangener Leibeigenschaft sollen offenbar den Eindruck eines freien, dankbaren Volkes erwecken, dessen schmerzhafte Vergangenheit dank der chinesischen Führung von einer glücklichen Gegenwart abgelöst wurde. Konkret wird diese Perspektive anhand einzelner Biografien erzählt, die die positive Entwicklung mit Wort und Bild verdeutlichen sollen. Das Thema stand bereits in der Vergangenheit im Verdacht, von der KPCh zugespitzt und instrumentalisiert zu werden (Wong, 2023).



Abbildung 6: Screenshots von Beiträgen, in denen ehemalige Leibeigene vorgestellt werden sollen. Ihre Geschichten zeichnen ein Bild großen historischen Leids im Kontrast zur vermeintlich unbeschwerten Gegenwart unter chinesischer Führung.
Schöne Bilder gegen grausame Realitäten
Immer wieder erscheinen bildbasierte Beiträge über Tibets Natur- und Tierwelt. Sie machen etwa ein Viertel der untersuchten Beiträge aus. Neben einer naheliegenden Außenkommunikation im Sinne touristischer Werbung fällt erneut die Parallele zu Xinjiang auf. International wird die uighurische Provinz vor allem wegen der Menschenrechtsverbrechen an der uighurischen Bevölkerung diskutiert. Die Auslandsmedien hingegen sind voller malerischer Bilder (Frühwirth, 2026a).



Abbildung 7: Screenshots von Beiträgen, die mit malerischen Landschaften und niedlichen Tieren ein freundliches, lebenswertes Alltagsleben in Tibet vermitteln sollen.
Ähnlich gestaltete Beiträge zu Tibet dürften vergleichbare Ziele verfolgen: Wer an Tibet denkt, soll nicht an die Unterdrückung der Tibeter*innen denken, sondern an wunderschöne Landschaften und niedliche Tiere – und möglicherweise an den nächsten Urlaub.
Geliehene Münder: Ausländer loben die Entwicklung Tibets
In knapp sieben Prozent der Beiträge kommen Menschen aus dem Ausland zu Wort. Im Einklang mit den bereits beschriebenen Erzählungen loben sie die beeindruckende Entwicklung Tibets oder versprechen, das „wahre“ Tibet zu zeigen.



Abbildung 8: Screenshots von Beiträgen, in denen ausländische Gäste die Entwicklung Tibets loben und parteikonforme Narrative bestätigen.
Auch die deutschsprachigen CGTN-Influencer*innen Laoyan und Mama Yu kommen zu Wort. Laoyan wolle zeigen, wie es vor Ort „wirklich aussehe“. Mama Yu stellt die Qinghai-Xizang-Eisenbahn als Treiberin von Veränderung und wirtschaftlichem Wachstum vor. Immer wieder wird erzählt, wie schwer das Leben früher gewesen sei und wie leicht und angenehm es heute aussehe. Mehrere Konferenzen werden ebenfalls zur Kulisse begeisterter Kommentare ausländischer Gäste. Die „Zweite internationale Xizang-Kommunikationskonferenz“ widmete sich laut CGTN der Frage, „wie authentische Geschichten über #Xizang einem globalen Publikum besser vermittelt werden können“. Ähnliche Formulierungen tauchen in prochinesischer Kommunikation immer wieder auf. Insbesondere wenn Missstände geleugnet und Kritik abgewehrt werden soll, wird suggeriert, die Lage vor Ort könne nur beurteilen, wer sie mit eigenen Augen gesehen habe. „Authentische Geschichten“ dürften vor diesem Hintergrund vor allem Parteikonformität bedeuten. Der Beitrag verlinkt auf einen Artikel, in dem ausländische Vertreter*innen mit entsprechenden Aussagen zitiert werden. Demnach sei die internationale Wahrnehmung Tibets „häufig von Fehlinformationen, politischen Narrativen und langjährigen Stereotypen geprägt“; die Entwicklung des Gebiets werde zu Unrecht als Bedrohung für Tradition und Lebensweise dargestellt. Chinesische Medienvertreter*innen kündigten an, die Kommunikation über Tibet künftig zu verstärken, um diese vermeintlichen Missverständnisse auszuräumen und „der Welt ein umfassenderes und differenzierteres Bild von Xizang zu präsentieren“ (CGTN, 2026).
Auch hier erinnert das Vorgehen an Xinjiang. Dort fördert die KPCh seit Jahren Inhalte, die die Provinz einem internationalen Publikum als freundliches Reiseziel mit wunderschönen Landschaften, blühender Kultur und glücklichen Menschen präsentieren sollen. So soll von den Menschenrechtsverbrechen an den Uighur*innen abgelenkt werden (Frühwirth, 2026b). Die internationale Kommunikationskonferenz und die dortigen Aussagen deuten darauf hin, dass bei Tibet ähnliche Ziele verfolgt werden.
Fazit
Die KPCh stellt Tibet in ihren Auslandsmedien als glückliches Gebiet dar, das sich unter chinesischer Führung prächtig entwickle. Die Lebensbedingungen verbesserten sich spürbar, während die kulturelle Identität und Lebensweise zur Freude der Tibeter*innen sorgfältig bewahrt würden. Neben dieser staatlich kontrollierten Kommunikation kann kaum etwas anderes nach außen dringen, das die tatsächliche Lage im Land beschreibt. Die Partei kontrolliert mit großer Härte, welche Informationen China verlassen. Auf dem Index der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen steht das Land auf dem drittletzten Platz von 180 Ländern, zwischen Iran und Nordkorea (Reporter ohne Grenzen, 2026). Tibet unterliegt zusätzlichen Beschränkungen: Nach Angaben des Auswärtigen Amts ist eine touristische Einreise nur mit gesonderter Genehmigung und im Rahmen einer von akkreditierten Reisebüros organisierten und begleiteten Reisegruppe möglich (Auswärtiges Amt, 2026). Internationalen Journalist*innen und Menschenrechtsorganisationen wird der Zugang erschwert oder verweigert (Lamby-Schmitt, 2026; Permanent Mission of Australia to the United Nations, 2024). Tibeter*innen werden bereits für einfache digitale Kommunikation hart bestraft, etwa mit langen Haftstrafen für die Kontaktaufnahme mit Verwandten im Ausland. Fälle aktiver Smartphone-Kontrollen nach Ereignissen, die internationale Aufmerksamkeit erregten, zeigen, dass es dabei auch um eine aggressive Kontrolle des Bildes von Tibet im Ausland geht (Human Rights Watch, 2025). Die chinesische Regierung schafft mit großer Härte ein Informationsvakuum, das sie selbst mit irreführenden, schönmalerischen Geschichten füllt.
Während die tibetische Bevölkerung weiterhin massiver Unterdrückung durch die chinesische Regierung ausgesetzt ist, wird dem deutschen und internationalen Publikum eine Scheinwelt präsentiert. Die bunten Bilder sollen vermitteln: Hier ist alles in Ordnung. Wendet euch ab.
Lea Frühwirth ist Psychologin und arbeitet als Senior Researcherin für Desinformation bei CeMAS, dem Center für Monitoring, Analyse und Strategie. Sie befasst sich mit dem Einfluss digitaler Diskurse auf Gesellschaft und Politik, insbesondere mit den Wirkweisen und Mechanismen manipulativer Inhalte aus Russland und China. Im Bereich Desinformation widmet sie sich sowohl der Entwicklung innovativer Ansätze zur frühzeitigen Aufdeckung illegitimer Einflussversuche als auch der Stärkung gesamtgesellschaftlicher Schutz- und Eindämmungsstrategien.
Last modified: 3. November 2026
