No Beijing 2022: Schreiben Sie an die Allianz!

Musterbrief: Rückzug der Allianz als Sponsor der Spiele
E-Mail:
info@allianz.de
Postadresse:
Oliver Bäte
Königinstraße 28
80802 München
Olympische Spiele in China
Sehr geehrter Herr Bäte,
ich schreibe Ihnen heute, da ich zutiefst besorgt darüber bin, dass die Allianz Group im kommenden Jahr einer der Hauptsponsoren der Olympischen Winterspiele in Peking sein wird. Dass die Allianz ihre achtjährige Partnerschaft mit den Olympischen Spielen ausgerechnet in einem Land wie China beginnt, ist äußerst problematisch. Ich bitte Sie dringend, sich als Sponsor der Winterspiele 2022 zurückzuziehen und den Start Ihres Sponsorings auf die nächsten Sommerspiele zu verschieben.
Die Menschenrechtslage in China ist derzeit so katastrophal wie noch nie. Human Rights Watch schätzt sie in einem Brief an das Internationale Olympische Komitee (IOC) sogar um einiges schlechter ein als noch bei den Sommerspielen 2008.[1]
Über eine Million Menschen in Ostturkestan (Xinjiang) sitzen in Internierungslagern fest, Frauen werden vergewaltigt und zwangssterilisiert. Die ersten Regierungen und Parlamente, darunter jene der USA, der Niederlande, von Kanada und Großbritannien, sagen bereits öffentlich, dass es sich bei den Menschenrechtsverbrechen an Uigur*innen, Kasach*innen und Kirgis*innen um einen Völkermord handele.[2]
Die systematische Zerstörung von Kultur und Sprache in Tibet, Ostturkestan (Xinjiang) und der Süd-Mongolei beginnt bereits im Kindesalter – „Minderheiten“ in China sollen ihrer eigenen Kultur komplett entwurzelt werden. Um die chinesische Assimilierungspolitik voranzutreiben, nimmt die Kommunistische Partei Chinas mittlerweile sogar für sich Anspruch, die „Gedanken zu steuern“.[3]
Tibet wurde nach den Olympischen Sommerspielen 2008 in einen abgeriegelten Polizeistaat umgewandelt und wird mittlerweile neben Syrien als unfreiste Region der Welt in Bezug auf zivile und politische Freiheiten aufgelistet.[4] Weder können sich Tibeter*innen frei bewegen, noch besteht die Möglichkeit, unabhängige Berichterstattung vor Ort zu leisten. Über 155 Tibeter*innen verbrannten sich seit 2009 aus Protest selbst, weil jede Art von Protest in Tibet sofort von chinesischen Behörden im Keim erstickt wird.
In keinem anderen Land werden zudem so viele Journalist*innen festgenommen wie in China.[5] Chinesische Menschenrechtler*innen, Demokratiebefürworter*innen und religiöse Gruppen sind der ständigen Gefahr willkürlicher Haft und Folter sowie damit verbundenem Tod in Haft ausgesetzt.[6]
Diese dystopischen Szenarien und der absolute Kontrollstaat, unter dem besonders chinesische „Minderheiten“ sowie Dissident*innen leiden, bieten kein passendes Umfeld für die Olympischen Spiele. Er widerspricht ganz gezielt der Charta der Olympischen Spiele, wonach die Menschenwürde geachtet werden soll.[7]
Spätestens nach Inkrafttreten des völkerrechtswidrigen Sicherheitsgesetzes in Hongkong und den damit verbundenen Verhaftungswellen von Aktivist*innen und Mitgliedern der Demokratiebewegung[8] hätte klar sein müssen, dass China kein angemessener Austragungsort der Spiele ist.
Gerade in Deutschland haben Politik, Zivilgesellschaft und Unternehmen nach 1936 die Verantwortung, nicht dazu beizutragen, dass Olympische Spiele zum wiederholten Male dafür instrumentalisiert werden, Regime zu unterstützen, die gravierende Verbrechen gegen die Menschlichkeit begehen. In einem an die Tibet Initiative Deutschland gerichteten Brief schreiben Sie, dass Sie „die Werte der Olympischen Bewegung (teilen): Exzellenz, Freundschaft und Respekt.“ Durch die Olympischen Spiele würde „ein Symbol des Friedens“ gesetzt. Auch Tibeter*innen und andere unterdrückte Gruppen in China wünschen sich Respekt und ein Leben in Frieden. Ein solches ist für viele Menschen in China nicht möglich – aufgrund des verbrecherischen Regimes der Kommunistischen Partei. Zu all dem schweigt die Allianz. Das ist nicht akzeptabel für einen Konzern, der sich diese Werte gleichzeitig auf die Fahnen schreibt.
Die Stimmung weltweit und deutschlandweit ist eindeutig: in einer Petition forderten bereits über 45.000 Menschen den Rückzug der Allianz als Sponsor. [9] Eine Umfrage ergab, dass die Mehrheit der Deutschen die Austragung der Olympischen Spiele in Deutschland nicht unterstützt. [10]
Vor ein paar Wochen haben Allianz-Vertreter*innen sogar selbst mit tibetischen und uigurischen ehemaligen politischen Gefangenen gesprochen und ihre Geschichten von Folter und Zwangssterilisation gehört. Die Allianz kann nicht mehr so tun, als wisse sie nicht, welche schrecklichen Verbrechen die chinesische Regierung an unterdrückten Gruppen begeht. Was muss noch passieren, damit das Sponsoring der Spiele in Peking abgebrochen wird?
Ich bitte Sie deshalb, sich angesichts dieser ernsten Lage zu überlegen, ob Sie die Spiele in Peking weiterhin durch ihre Versicherungsangebote und Dienstleistungen unterstützen wollen.
Vielmehr benötigen Tibeter*innen, Uigur*innen, Hongkonger*innen, Süd-Mongol*innen, chinesische Dissident*innen und viele andere in China lebende Menschen eine Versicherung, dass man im Ausland nicht wegsieht und dass die jahrelangen Verbrechen des chinesischen Regimes konkrete Konsequenzen haben. Ich fordere Sie deshalb auf: Ziehen Sie Ihre Unterstützung der Spiele in Peking 2022 sofort zurück!
Herzliche Grüße und Tashi Delek
Unterschrift und Name
[1] Human Rights Watch, „China: Repression Threatens Winter Olympics – Letter to International Olympic Committee Urges Human Rights Risk Assessment”, https://www.hrw.org/news/2020/12/22/china-repression-threatens-winter-olympics
[2] BBC, „Uyghurs: MPs state genocide is taking place in China”, https://www.bbc.com/news/uk-politics-56843368
[3] Tibet Advocacy Coalition, „Assaulting Identity: China’s new coercive strategies in Tibet”, https://tibetadvocacy.org/2021-tibet-report/#report
[4] Freedom House, Freedom in the world – Country Report, https://freedomhouse.org/countries/freedom-world/scores?sort=asc&order=Total%20Score%20and%20Status
[5] Committee to protect Journalists: https://cpj.org/data/imprisoned/2019/?status=Imprisoned&start_year=2019&end_year=2019&group_by=location
[6] International Society for Human Rights, „Torture Methods in the People’s Republic of China”: https://ishr.org/torture-methods-in-the-peoples-republic-of-china/
[7] Olympische Charta 2014: https://www.doa-info.de/images/PDF/Olympische_Charta_2014.pdf
[8] Frankfurter Rundschau, „Verhaftungswelle erschüttert Hongkong“, https://www.fr.de/politik/verhaftungswelle-erschuettert-hongkong-90160407.html
[9] www.change.org/nobeijing2022
[10] https://www.tibet-initiative.de/wp-content/uploads/2021/12/Olympia-Befragung-Website.pdf




