Pressemitteilung
Berlin, 03.07.2026
Am Donnerstag, dem 2. Juli 2026 (23:49 Uhr deutscher Zeit; 17:49 Uhr Ortszeit in New York) hat sich der tibetische Freiheitsaktivist Lobga Rangzen vor dem Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York selbst angezündet. Der 52-Jährige übertrug seine Tat live über Facebook. Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie er in traditioneller tibetischer Kleidung und mit der tibetischen Nationalflagge in der Hand in Flammen aufgeht, bevor er schließlich gelöscht wird.
Er erlag später im Bellevue Hospital seinen schweren Verbrennungen.
Vor seiner Selbstverbrennung hinterließ Lobga Rangzen eine Videobotschaft, in der er die tibetische Gemeinschaft zu Zusammenhalt aufruft und ihre Verantwortung betont, sich weiterhin für die Freiheit Tibets einzusetzen.
Lobga Rangzen war ein in der tibetischen Exilgemeinschaft bekannter Freiheitsaktivist, der sich seit vielen Jahren für die Rechte des tibetischen Volkes engagierte. Seine Videobotschaft macht deutlich, dass seine Tat Ausdruck der sich immer weiter verschärfenden Menschenrechtslage in Tibet ist. Seine Selbstverbrennung erfolgte kurz nach dem Inkrafttreten des chinesischen Gesetzes zur Förderung der ethnischen Einheit am 1. Juli 2026, das die Kontrolle über die kulturelle, sprachliche und religiöse Identität der Tibeterinnen und Tibeter weiter verschärft und eine neue Eskalationsstufe der chinesischen Repressionspolitik darstellt.
Noch in derselben Nacht versammelten sich zahlreiche Mitglieder der tibetischen Gemeinschaft vor dem UN-Hauptquartier in New York zu einer Mahnwache, um gemeinsam zu trauern und an Lobga Rangzen zu erinnern.
Seit Beginn der Selbstverbrennungsproteste haben sich 161 Tibeterinnen und Tibeter selbst angezündet.
Tenzyn Zöchbauer, Geschäftsführerin der Tibet Initiative Deutschland, erklärt:
„Die Bilder aus New York sind kaum zu ertragen. Sie zeigen den kollektiven Schmerz und die Verzweiflung der Tibeterinnen und Tibeter angesichts der systematischen Zerstörung ihrer Kultur und Identität. Jede Selbstverbrennung ist eine menschliche Tragödie und Ausdruck eines verzweifelten Protests gegen jahrzehntelange Unterdrückung. Wenn ein Mensch keinen anderen Weg mehr sieht, als sein eigenes Leben zu opfern, um die Welt wachzurütteln, dann ist das auch ein erschütterndes Zeugnis des Versagens der internationalen Gemeinschaft. Schweigen ist keine Option mehr.“
Selbstverbrennungen werden von vielen Tibeterinnen und Tibetern als äußerster und zutiefst tragischer Akt des gewaltfreien Protests verstanden. Sie sind Ausdruck tiefer Verzweiflung und sollen die internationale Öffentlichkeit auf die anhaltenden Menschenrechtsverletzungen in Tibet aufmerksam machen. Hinter jeder dieser Taten steht ein Mensch, dessen Hoffnung auf internationale Unterstützung und Veränderung zunehmend schwindet.
Die chinesische Regierung hat in Tibet alle Formen von Widerstand verboten – für Tibeter bleibt nur eine Möglichkeit: Die Selbstverbrennung.
Weitere Informationen zu den Selbstverbrennungen in Tibet finden Sie hier:
https://www.tibet-initiative.de/informieren/hintergrund/selbstverbrennungen/
Für Rückfragen und Interviewanfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
Kontakt: +49 30 420 815 34 | presse@tibet-initiative.de
Last modified: 4. Juli 2026