Die Selbstverbrennung des tibetischen Freiheitsaktivisten Lobga Rangzen vor dem Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York hat weltweit Bestürzung ausgelöst. Viele Menschen haben ihre Trauer, ihre Anteilnahme und ihre Solidarität mit der tibetischen Gemeinschaft zum Ausdruck gebracht. Inzwischen wurde Lobga Rangzen in New York beigesetzt. Hunderte Menschen begleiteten ihn auf seinem letzten Weg.
Für die Tibet Initiative Deutschland steht fest: So erschütternd diese Tat ist – Lobga Rangzens Vermächtnis darf nicht in der Trauer enden.

Ein letzter Protest gegen die Unterdrückung Tibets
In der Nacht zum 3. Juli 2026 entzündete sich Lobga Rangzen vor dem Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York selbst. Wenig später erlag er im Bellevue Hospital seinen schweren Verletzungen. Kurz vor seiner Tat veröffentlichte er eine Videobotschaft. Darin machte er deutlich, dass seine Entscheidung weder persönlichen noch wirtschaftlichen Gründen entsprang, sondern ausschließlich seinem Wunsch, auf das Leid des tibetischen Volkes aufmerksam zu machen.
Sein letzter Appell lautete:
„Wenn ihr wirklich um mich trauern möchtet, dann ehrt meine letzten Wünsche. Ich hoffe, dass jede und jeder von euch den Einsatz für Tibet mit Entschlossenheit fortsetzt und weiter für unsere Sache kämpft.“
Lobga Rangzen war vielen Menschen im Exil persönlich bekannt. Sein Tod hinterlässt eine schmerzliche Lücke – nicht nur bei seiner Familie und seinen Freund*innen, sondern bei einer ganzen Gemeinschaft, die seit Jahrzehnten für Freiheit, Menschenrechte und den Erhalt ihrer Identität kämpft.
Die Ursachen dürfen nicht in Vergessenheit geraten
Lobga Rangzens Tat ist Ausdruck einer tiefen Verzweiflung über die anhaltende und sich weiter verschärfende Menschenrechtslage in Tibet. Nur wenige Tage zuvor, am 1. Juli 2026, trat in China das Gesetz zur Förderung der ethnischen Einheit und des Fortschritts in Kraft. Das Gesetz verschärft die Kontrolle über Sprache, Kultur, Religion und Identität ethnischer Minderheiten und stellt eine weitere Eskalation der chinesischen Assimilationspolitik dar.
Lobga Rangzen war nicht der erste Tibeter, der sich aus Verzweiflung selbst verbrannte. Seit Beginn der Selbstverbrennungsproteste haben sich über 170 Tibeter*innen selbst angezündet – elf davon im Exil. Hinter jeder dieser Zahlen steht ein Mensch. Eine Familie. Eine Gemeinschaft. Viele starben, ohne dass internationale Medien über sie berichteten. Der Unterschied dieses Mal war der Ort. Mitten in New York. Vor den Vereinten Nationen. Vor den Augen der Welt. Für einen Moment richtete sich der Blick der Welt wieder auf Tibet.
Wir wissen, dass viele von unseren Unterstützer*innen Tibet bereits seit vielen Jahren teilweise Jahrzehnten begleiten und entschlossen an der Seite stehen. Nach über 70 Jahren Besatzung hinterlassen die Zeit und die anhaltende Unterdrückung ihre Spuren – nicht nur in Tibet, sondern auch in der öffentlichen Wahrnehmung. Doch nur weil ein Thema seltener in den Nachrichten erscheint, bedeutet das nicht, dass sich die Situation verbessert hat. Im Gegenteil: Mit seiner Tat hat Lobga Rangzen uns auf schmerzliche Weise daran erinnert, dass das Leid der Tibeter*innen unvermindert anhält.
Viele fragen sich jetzt: Was kann ich für Tibet tun? Macht mein Engagement überhaupt einen Unterschied?
Wir sind überzeugt: Ja.
Der größte Wunsch, den Lobga Rangzen hinterlassen hat, war nicht Trauer. Es war Zusammenhalt. Es war die Bitte, den Einsatz für Tibet fortzusetzen. Ein Aufruf, die tibetische Sprache, Kultur und Identität zu bewahren. Ein Aufruf, weiter für Freiheit und Menschenrechte einzustehen.
Wie Seine Heiligkeit der Dalai Lama bei seinem Besuch in Deutschland sagte:
„Es reicht nicht, Mitgefühl zu haben. Man muss auch handeln.“
Genau dazu möchten wir heute einladen.
Was können wir gemeinsam tun?
Unterzeichnen Sie unsere Petition
Das neue chinesische Gesetz, das am 1. Juli in Kraft getreten ist, war einer der Auslöser für Lobga Rangzens letzten Protest. Mit unserer Petition fordern wir die Bundesregierung auf, dieses Gesetz klar zu verurteilen und sich gegen die weitere Assimilierung der Tibeter*innen zu positionieren.
Kommen Sie am 2. August nach Berlin
Genau einen Monat nach Lobga Rangzens Selbstverbrennung findet weltweit ein globaler Aktionstag für Tibet statt. Dieser Aktionstag wurde von seiner Familie während der Trauerfeier ausgerufen. Auch wir werden an diesem Tag vor der Chinesischen Botschaft in Berlin demonstrieren.
Kommen Sie nach Berlin. Lassen Sie uns gemeinsam zeigen, dass Lobga Rangzens letzter Wunsch nicht ungehört bleibt. Weitere Informationen veröffentlichen wir in den kommenden Wochen auf unserer Webseite.
Werden Sie in Ihrer Region aktiv.
Die Tibet Initiative verfügt über rund 50 Regionalgruppen und Kontaktstellen in ganz Deutschland. Sie organisieren Mahnwachen, Vorträge, Infostände und Gespräche mit Politiker*innen und Medien. Sie machen Tibet dort sichtbar, wo gesellschaftlicher Wandel beginnt – vor Ort. Machen sie sich mit gleichgesinnten für Tibet stark.
Informieren Sie andere über Tibet.
Aufklärung ist eine unserer stärksten Formen des Engagements. Nutzen Sie unsere Flyer, Broschüren, Magazine, Podcasts und Hintergrundmaterialien. Teilen Sie unsere Beiträge in den sozialen Medien. Sprechen Sie mit Freund*innen, Kolleg*innen und Ihrer Familie über Tibet. Jedes Gespräch zählt.
Helfen Sie uns, Tibet in die Medien zu bringen.
Vielleicht kennen Sie Journalist*innen Ihrer Lokalzeitung oder eines Radiosenders. Vielleicht können Sie einen Kontakt vermitteln oder ein Interview anregen. Jeder Artikel trägt dazu bei, dass Tibet nicht wieder aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwindet.
Setzen Sie gemeinsam mit uns politische Zeichen.
Ob bei unserer Kampagne „Flagge zeigen für Tibet“, im Gespräch mit Bürgermeisterinnen, Abgeordneten oder Landespolitikerinnen – politischer Wandel beginnt oft auf kommunaler Ebene. Mittlerweile beteiligen sich jedes Jahr über 450 Städte und Gemeinden an unserer Flaggenkampagne. Dieses starke Zeichen der Solidarität wird auch in Tibet wahrgenommen. Helfen Sie uns, noch mehr Kommunen für die Kampagne zu gewinnen und dem politischen Druck der chinesischen Regierung eine sichtbare Antwort entgegenzusetzen.
7. Stärken Sie unsere Arbeit.
Jedes neue Mitglied.
Jede Spende.
Jede Empfehlung.
Jeder Mensch, der sich unserer Bewegung anschließt.
All das macht unsere Stimme gegenüber Politik, Medien und Öffentlichkeit stärker.
Unsere Mitglieder sind weit mehr als eine Zahl. Sie zeigen, dass Tibet in Deutschland nicht vergessen ist. Sie geben uns die Legitimation und die Kraft, gegenüber Politik und Öffentlichkeit mit Nachdruck für Tibet einzutreten.
Seit 1989 setzt sich die Tibet Initiative Deutschland dafür ein, die Anliegen der Tibeter*innen in Politik und Gesellschaft sichtbar zu machen.
So wie Lobga Rangzen gibt es Tausende Tibeter*innen – in Tibet und im Exil –, die ihre Hoffnung nicht aufgegeben haben. Menschen, die trotz Repression ihre Sprache bewahren, ihre Kultur leben und ihre Identität verteidigen.
Lobga Rangzens letzter Wunsch war nicht, dass wir trauern. Sein Wunsch war, dass wir weitermachen. Dass wir zusammenstehen. Nicht in unserer Trauer. Sondern in unserem Handeln.
Last modified: 11. Juli 2026