Der tibetische Umwelt- und Anti-Korruptionsaktivist A-Nya Sengdra wurde am 4. September 2018 in Osttibet unter falschen Anschuldigungen zu sieben Jahren Haft verurteilt. Sein gewaltfreies Engagement für Umwelt- und Gemeindeschutz machte ihn zur Zielscheibe der Behörden. Eigentlich sollte er 2025 freigelassen werden – doch die chinesische Regierung scheint seine Haftstafe willkürlich bis Februar 2026 zu verlängern. Gründe dafür sind nicht bekannt.

UPDATE (11.02.2026): kurz vor dem neuen tibetischen Jahr erreichen uns freudige und bewegende Nachrichten: Der tibetische Umweltaktivist A-Nya Sengdra wurde am 8. Februar 2026 nach jahrelanger Haft aus dem Gefängnis entlassen.
Mit zahlreichen Unterschriftenaktionen, öffentlichen Stellungnahmen und internationaler Aufmerksamkeit hat die Tibet Initiative Deutschland seinen Fall immer wieder ins Licht gerückt. Wir möchten uns von Herzen bei allen bedanken, die seine Freilassung unterstützt und sich für A-Nya Sengdra stark gemacht haben.
Doch so wichtig und schön diese Nachricht ist: Seine Entlassung bedeutet leider nicht automatisch echte Freiheit. Überwachung, Diskriminierung und Repression werden seinen Alltag weiterhin prägen. Welche körperlichen und seelischen Folgen die Haft hinterlassen hat, ist bislang nicht bekannt. Wir werden seine Situation aufmerksam weiterverfolgen und solidarisch an seiner Seite stehen.
A-Nya Sengdra ist ein tibetischer Nomade, der sich gegen Korruption und illegale Bergbauaktivitäten der chinesischen Regierung sowie gegen die illegale Jagd und Wilderei von bedrohten Tieren einsetzte. 2014 gründeten er und andere lokale tibetische Nomaden eine Organisation aus Freiwilligen namens „Mang Dhon Ling“ (Forum für öffentliche Angelegenheiten), um gegen Korruption und Machtmissbrauch durch lokale chinesische Beamte vorzugehen.
Am 4. September 2018 wurde A-Nya Sengdra im Bezirk Gade, Präfektur Golog, Osttibet, festgenommen. Bei der Festnahme wurde er von Sicherheitskräften geschlagen und in den ersten 48 Stunden seiner Haft der Zugang zu einem Anwalt verweigert. Erst nach 48 Tagen durfte sein Anwalt ihn zum ersten Mal besuchen.
Während seines Prozesses wurden Beweise gegen ihn unter anderem aus WeChat-Diskussionen verwendet, in denen er Themen wie Korruption, Umweltschutz und Petitionen an lokale Behörden ansprach.
Im Juli 2019 folgte eine Anklage wegen „Streitigkeiten zu führen und Ärger zu provozieren“ sowie „Menschen zu versammeln, um die öffentliche Ordnung zu stören“. Ende 2019 wurde er zu einer Haftstrafe von sieben Jahren verurteilt. A-Nya Sengdra befindet sich derzeit im Internierungslager des Drotsang Public Security Bureau, fast 600 km von seiner Heimat entfernt.
Berufungsanhörung im Juni 2020
Mit erheblicher Verspätung fand am 16. und 17. Juni 2020 die Berufungsverhandlung vor dem Mittleren Volksgericht der Präfektur Guoluo statt. Das Gericht wies die Berufung ab und bestätigte das ursprüngliche Urteil – eine schwerwiegende Ungerechtigkeit. Besonders erschütternd: Die Familie von A-Nya Sengdra reiste eigens zur Anhörung an, wurde jedoch nicht in den Gerichtssaal gelassen. Damit wurde ihr grundlegendes Recht auf Teilnahme an einem öffentlichen Verfahren verweigert.
Bereits am 19. Mai 2020 hatten fünf UN-Sonderberichterstatter in einer öffentlichen Erklärung die chinesische Regierung aufgefordert, die Anklage gegen A-Nya Sengdra fallen zu lassen. Sie äußerten ihre tiefe Besorgnis über die „Kriminalisierung legitimer Menschenrechtsarbeit“ und stellten klar, dass Sengdras Fall Teil eines umfassenderen Vorgehens gegen tibetische Menschenrechtsverteidiger ist. In ihrer Stellungnahme forderten sie China nachdrücklich auf, internationales Recht einzuhalten und die Anklage gegen A-Nya Sengdra unverzüglich aufzuheben.
Willkürliche Haftverlängerung
Ursprünglich sollte A-Nya Sengdra am 4. September 2025 aus der Haft entlassen werden. Doch die chinesischen Behörden haben seine Strafe willkürlich verlängert – seine Freilassung ist nun erst für Februar 2026 vorgesehen. Offizielle Gründe wurden dafür nicht genannt.
Die Bedingungen seiner Inhaftierung sind äußerst schlecht: A-Nya Sengdra leidet an Bluthochdruck und erhält keine angemessene medizinische Versorgung. Sein Gesundheitszustand verschlechtert sich zunehmend.
Wir fordern deshalb seine fristgerechte und unversehrte Freilassung. Gemeinsam mit über hundert Menschenrechtsorganisationen haben wir in einem offenen Brief die chinesische Regierung aufgefordert, A-Nya Sengdra sofort freizulassen. Gleichzeitig appellieren wir an die internationale Politik, nicht länger zu diesen willkürlichen Inhaftierungen zu schweigen.
Das Schicksal von A-Nya Sengdra ist kein Einzelfall – es steht exemplarisch für die Unterdrückung friedlicher Aktivist*innen in Tibet und die systematische Kriminalisierung von Menschenrechtsarbeit. Sein jahrzehntelanges Engagement für Umweltschutz und Gemeinderechte macht deutlich, wie dringend internationale Solidarität und Aufmerksamkeit notwendig sind.
Jetzt aktiv werden!
✍️ Petition für die sofortige Freilassung von A-Nya Sengdra unterzeichnen.
✍️ Petition unterzeichnen für ein sofortiges Moratorium von Megaprojekten in Tibet.
Last modified: 13. Februar 2026