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Tibetische Stimmen zur Flutkatastrophe: „Familien im Exil warten verzweifelt auf Nachrichten aus Tibet.“

Blue Tibet • Pressemitteilungen • Startseite • Umwelt

4. September 2026

Pressemitteilung
Berlin, 04.09.2026

Die verheerende Flutkatastrophe in Tibet und Nepal hat Menschenleben gefordert, ganze Ortschaften getroffen und Existenzen zerstört. Während aus Nepal Bilder, Augenzeugenberichte und Informationen über die Folgen der Katastrophe die internationale Öffentlichkeit erreichen, bleibt das tatsächliche Ausmaß der Zerstörung auf tibetischer Seite weiterhin im Dunkeln.

Gerade in einer solchen Katastrophe ist es entscheidend, die Stimmen von Tibeter*innen selbst zu hören: von Menschen mit Angehörigen und persönlichen Verbindungen in die Region, aus der tibetischen Exilgemeinschaft sowie aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft. 

Am 26. August löste der massive Abbruch von Gletschereis und Gestein bei Kyirong (Tibet) eine gewaltige Sturzflut aus, deren Auswirkungen bis nach Nepal reichten. Berichten zufolge wurden auf tibetischer Seite unter anderem die Dörfer Salé, Sérchung, Labi und Rizi schwer getroffen und Hunderte Häuser zerstört. 

Doch unabhängige Informationen aus den betroffenen tibetischen Gebieten sind kaum verfügbar. Berichte und Videos in chinesischen sozialen Medien wurden gelöscht, Kritik an offiziellen Angaben sanktioniert und die Berichterstattung staatlich kontrolliert. Unabhängige Journalist*innen und internationale Beobachter*innen haben auch jetzt keinen freien Zugang zu den betroffenen Gebieten. Damit bleibt wieder einmal nicht nur das tatsächliche Ausmaß der Katastrophe unklar, sondern auch die Erfahrungen und Stimmen der Menschen vor Ort ungehört.

Dundup Donka, Vorsitzender des Vereins der Tibeter in Deutschland: 

„Während die Welt die Zerstörung in Nepal sehen kann, herrscht auf tibetischer Seite eine von den chinesischen Behörden auferlegte Informationsblockade. Wir erfahren kaum, was die Menschen vor Ort erleben und wie groß das tatsächliche Ausmaß der Katastrophe ist. Als Vorsitzender des Vereins der Tibeter in Deutschland erlebe ich seit Tagen, wie belastend diese Ungewissheit für unsere Gemeinschaft ist. Familien im Exil warten verzweifelt auf Nachrichten aus Tibet. In solchen Momenten wird erneut deutlich, wie unmittelbar die Auswirkungen der chinesischen Kontrolle auch für uns hier in Deutschland spürbar sind.“ 

Die Katastrophe wirft zugleich grundsätzliche Fragen zum Schutz des ökologisch hochsensiblen tibetischen Hochplateaus auf. Seine Gletscher, Flüsse und Feuchtgebiete bilden ein lebenswichtiges Wassersystem für weite Teile Asiens. Gleichzeitig verändern steigende Temperaturen, schmelzende Gletscher und auftauender Permafrost die Region rapide. Hinzu kommen massive Eingriffe durch Bergbau, Wasserkraft, Staudämme und andere groß angelegte Infrastrukturprojekte der Kommunistischen Partei Chinas. 

Tenzin Youdon, Masterstudentin im Studiengang „Management and Technology of Water and Wastewater“ an der Universität Duisburg-Essen und Sprecherin der Sektion Rewa des Vereins der Tibetischen Jugend in Deutschland: 

„Die Flut in Kyirong ist nicht nur eine humanitäre Tragödie, sondern ein alarmierendes Warnsignal für die gesamte Himalaya-Region. Als tibetische Umweltwissenschaftlerin, die in Nepal geboren ist, trifft mich diese Katastrophe auch persönlich. China treibt auf dem tibetischen Hochplateau massive Infrastrukturprojekte voran, während es an Transparenz, unabhängiger Kontrolle und Mitsprache der betroffenen Bevölkerung fehlt. Wir brauchen unabhängige Umweltprüfungen und eine wirksame Katastrophenvorsorge. Denn Flüsse und Gletscher kennen keine politischen Grenzen. Was auf dem tibetischen Hochplateau geschieht, betrifft Millionen Menschen weit über Tibet hinaus.“

Für die Tibet Initiative Deutschland zeigt die Katastrophe deshalb nicht nur die ökologische Verwundbarkeit der Region. Sie macht zugleich sichtbar, welche Folgen die systematische Einschränkung von Pressefreiheit, Informationsfreiheit und zivilgesellschaftlichen Handlungsspielräumen in Tibet selbst in einer humanitären Notlage hat. 

Tenzyn Zöchbauer, Geschäftsführerin der Tibet Initiative Deutschland e.V.: 

„Eine humanitäre Katastrophe darf niemals zur Frage politischer Kontrolle werden. Doch genau das erleben wir in Tibet immer wieder. Diesmal trifft dieselbe Katastrophe Tibet und Nepal und macht damit unmittelbar sichtbar, was Chinas Abschottungspolitik bedeutet: Während aus Nepal frei berichtet werden kann, kontrolliert die chinesische Regierung auf tibetischer Seite, welche Bilder, Informationen und Stimmen die Außenwelt erreichen. Bei früheren Katastrophen, wie dem Erdbeben in Kreis Shigatse (Januar 2025), verschwand mit dem versiegenden Informationsfluss auch die Aufmerksamkeit der Welt. Diesmal kann die Welt diesen Unterschied unmittelbar sehen. Die Tibet Initiative Deutschland fordert seit Jahrzehnten ein Ende der systematischen Menschenrechtsverletzungen in Tibet. Freier Zugang für Journalist*innen, Informationsfreiheit und der Schutz der Menschen, die vor Ort berichten, sind keine überzogenen Forderungen. Sie sind das Mindeste, was die internationale Gemeinschaft von China einfordern muss.“ 

Die Abschottung Tibets hält unterdessen weiter an. Seit dem 28. August stellen die chinesischen Behörden nach einer offiziellen Anordnung keine neuen Genehmigungen für die Grenzgebiete von Shigatse aus; bereits erteilte Genehmigungen sollen vorerst nicht genutzt werden. Auch die Verbindung zum Grenzübergang Kyirong zwischen Tibet und Nepal bleibt bis auf Weiteres gesperrt.

Nach Informationen, die der Tibet Initiative Deutschland vorliegen, sind darüber hinaus Reisen ausländischer Besucher*innen nach Westtibet derzeit nicht möglich. Davon sollen auch Pilgerreisen zum Kailash betroffen sein. Damit wird der Zugang zu der Region ausgerechnet in einem Moment weiter eingeschränkt, in dem zentrale Fragen zum tatsächlichen Ausmaß der Katastrophe und zur Zahl der Opfer auf tibetischer Seite weiterhin unbeantwortet sind.

Die Tibet Initiative Deutschland fordert deshalb die Bundesregierung auf, gegenüber China auf unabhängigen Zugang zu den betroffenen Gebieten, transparente Informationen über Opfer und Schäden sowie Presse- und Informationsfreiheit zu drängen.  

Für Rückfragen und Interviewanfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Kontakt: +49 30 420 815 35 | zoechbauer@tibet-initiative.de

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Last modified: 4. September 2026

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    presse@tibet-initiative.de

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