

Geboren: 1950
Gestorben: 12. Juli 2015, in chinesischer Haft
Verhaftet: 7. April 2002
Haftstrafe: ursprünglich Todesstrafe, dann lebenslänglich
Anklage: „Beteiligung an einem Sprengstoffanschlag“, „illegaler Waffenbesitz“ und „separatistische Aktivitäten“
Gefängnis: Chuandong (Sichuan)
Der tibetische Mönch Tenzin Delek Rinpoche wurde gemeinsam mit Lobsang Dhondup im April 2002 verhaftet und am 2. Dezember 2002 zum Tode verurteilt.
Beiden wurde die Beteiligung an einem Bombenattentat auf dem Hauptplatz von Chengdu, der Provinzhauptstadt von Sichuan, zur Last gelegt. Darüber hinaus beschuldigte man sie des „illegalen Waffenbesitzes“ und „separatistischer Aktivitäten“.
Lobsang Dhondup wurde hingerichtet, während die Vollstreckung des Urteils gegen Tenzin Delek Rinpoche auf zwei Jahre ausgesetzt und später auf internationalen Druck hin in eine lebenslängliche Haftstrafe umgewandelt wurde.
Nach seiner Festnahme verwehrte man Tenzin Delek Rinpoche acht Monate lang den Kontakt zur Außenwelt. In Haft wurde er schwer gefoltert. Kurz vor seinem Tod hatte er schwerwiegende Herzprobleme, Bluthochdruck und Beinleiden. Obwohl er laut Gefängnisarzt hätte operiert werden müssen, verwehrte man ihm die Behandlung. Am 12. Juli 2015 starb Tenzin Delek Rinpoche in chinesischer Haft. Sein Leichnahm wurde sehr schnell nach seinem Tod verbrannt, eine genaue Aufklärung der Todesumstände gibt es bis heute nicht.
Tenzin Delek Rinpoche war ein hoch angesehener Lehrer des Buddhismus aus Lithang. Er setzte sich für die Erhaltung der tibetischen Kultur und Identität ein. In seiner Gemeinde sorgte er für den Aufbau sozialer, medizinischer, schulischer und religiöser Einrichtungen zum Wohl der tibetischen Nomaden und leitete den Neubau von Klöstern für tibetische Nonnen. Zudem protestierte er vehement gegen die rücksichtslose Abholzung der Wälder.
Seit seiner Verurteilung haben wir bundesweit kontinuierlich Aktionen und Mahnwachen für Tenzin Delek Rinpoche organisiert und Unterschriften für seine Freilassung gesammelt. Auf internationalen Druck von Tibet-Unterstützungsgruppen und Menschenrechtsorganisationen wurde sein Todesurteil im Januar 2005 in eine lebenslängliche Haftstrafe umgewandelt. Auch nach seinem Tod haben politische Entscheidungsträger dazu aufgefordert, die Umstände seines Todes, aufzuklären und die chinesische Regierung dabei in die Pflicht zu nehmen. In ganz Europa sind Tibet-Organisationen mit Protestaktion auf die Straße gegangen, um Gerechtigkeit für Tenzin Delek Rinpoches Familie zu fordern.

40.000 Tibeter aus Tenzin Delek Rinpoches Gemeinde in Tibet forderten 2009 in einer Petition die Wiederaufnahme seines Verfahrens. Der Versuch, die Petition der chinesischen Zentralregierung in Peking zu übergeben, scheiterte jedoch. Es folgten Hungerstreiks und Sitzblockaden, bei denen mindestens 90 Menschen festgenommen wurden. Zusammen mit internationalen Tibet-Organisationen hat die TID unterstützend über 40.000 Unterschriften für Tenzin Delek Rinpoche gesammelt und an die chinesische Regierung übermittelt.
Woran ist Tenzin Delek Rinpoche im Juli 2015 nach 13 Jahren in Haft gestorben? Diese Frage ist bis heute ungeklärt. Seine Nichte Nyima Lhamo ist aus Tibet geflohen und hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Gemeinsam mit der International Campaign for Tibet Deutschland e.V. waren wir am 14. Februar 2017 mit ihr bei politischen Gesprächen mit der Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung, Dr. Bärbel Kofler (SPD), und im Tibet-Gesprächskreis im Deutschen Bundestag. Nyima Lhamo berichtete vom Schicksal ihres Onkels, den Repressionen, die sie selbst erfahren musste und warb um Unterstützung im Einsatz für politische Gefangene in Tibet.
Lesen Sie mehr über die persönliche Geschichte von Nyima Lhamo (PDF, Englisch)