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Kampagne für politische Gefangene

FREE ME! Tenzin Delek Rinpoche

Geboren: 1950

Gestorben: 12. Juli 2015, in chinesischer Haft

Verhaftet: 7. April 2002

Haftstrafe: ursprünglich Todesstrafe, dann lebenslänglich

Anklage: "Beteiligung an einem Sprengstoffanschlag", "illegaler Waffenbesitz" und  "separatistische Aktivitäten"

Gefängnis: Chuandong (Sichuan)

Nyima Lhamo in Berlin

Aufklärung im Fall Tenzin Delek Rinpoche

Woran ist Tenzin Delek Rinpoche im Juli 2015 nach 13 Jahren in Haft gestorben? Diese Frage ist bis heute ungeklärt. Seine Nichte Nyima Lhamo ist aus Tibet geflohen und hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Gemeinsam mit der International Campaign for Tibet Deutschland e.V. waren wir am 14. Februar 2017 mit ihr bei politischen Gesprächen mit der Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung, Dr. Bärbel Kofler (SPD), und im Tibet-Gesprächskreis im Deutschen Bundestag. Nyima Lhamo berichtete vom Schicksal ihres Onkels, den Repressionen, die sie selbst erfahren musste und warb um Unterstützung im Einsatz für politische Gefangene in Tibet.

Lesen Sie mehr über die persönliche Geschichte von Nyima Lhamo (PDF, Englisch)

Nyima Lhamo mit der Menschenrechtsbeauftragten Dr. Bärbel Kofler (SPD). ©TID
Nyima Lhamo mit der Menschenrechtsbeauftragten Dr. Bärbel Kofler (SPD)
Nyima Lhamo mit ihren Begleitern von der Tibetischen Exilregierung. ©TID
Nyima Lhamo mit ihren Begleitern von der Tibetischen Exilregierung. ©TID
Nyima Lhamo und der Tibet Gesprächskreis im Deutschen Bundestag. ©TGK
Nyima Lhamo und der Tibet Gesprächskreis im Deutschen Bundestag. ©TGK

Der tibetische Mönch Tenzin Delek Rinpoche wurde gemeinsam mit Lobsang Dhondup im April 2002 verhaftet und am 2. Dezember 2002 zum Tode verurteilt.

Beiden wurde die Beteiligung an einem Bombenattentat auf dem Hauptplatz von Chengdu, der Provinzhauptstadt von Sichuan, zur Last gelegt. Darüber hinaus beschuldigte man sie des "illegalen Waffenbesitzes" und "separatistischer Aktivitäten".

Lobsang Dhondup wurde hingerichtet, während die Vollstreckung des Urteils gegen Tenzin Delek Rinpoche auf zwei Jahre ausgesetzt und später auf internationalen Druck hin in eine lebenslängliche Haftstrafe umgewandelt wurde.

Tenzin Delek Rinpoche war ein hoch angesehener Lehrer des Buddhismus aus Lithang und setzte sich für die Erhaltung der tibetischen Kultur und Identität ein. In seiner Gemeinde sorgte er für den Aufbau sozialer, medizinischer, schulischer und religiöser Einrichtungen zum Wohl der tibetischen Nomaden und leitete den Neubau von Klöstern für tibetische Nonnen. Zudem protestierte er vehement gegen die rücksichtslose Abholzung der Wälder sowie die Ausbeutung der Bodenschätze in Ost-Tibet. 

In einer während des Prozesses an die Außenwelt geschmuggelten Botschaft vom 18. Januar 2003 distanzierte sich Tenzin Delek Rinpoche in aller Deutlichkeit von der Anklage: "Was immer die Behörden sagen, ich bin vollkommen unschuldig", heißt es in der Mitteilung. "Ich habe die Menschen immer angehalten, sich großherzig und achtsam zu begegnen. (...) Ich habe auch immer betont, dass es ein Vergehen ist, seine Hand gegen andere zu erheben."

Tenzin Delek Rinpoche ist am 12. Juli 2015 in Haft gestorben

Nach seiner Festnahme verwehrte man Tenzin Delek Rinpoche acht Monate lang den Kontakt zur Außenwelt. Während dieser Zeit musste er schwere Folterungen erdulden. Zuletzt befand er sich in einem besorgniserregenden Gesundheitszustand mit schwerwiegenden Herzproblemen, Bluthochdruck und Beinleiden. Der Gefängnisarzt hat seiner Familie mitgeteilt, dass er operiert werden müsste. Dies wurde ihm jedoch verwehrt. Am 12. Juli 2015 wurde bekannt, dass Tenzin Delek Rinpoche in chinesischer Haft gestorben ist. Sein Leichnahm wurde sehr schnell nach seinem Tod verbrannt, eine genaue Aufklärung der Todesumstände, gab es bislang nicht.

Unser Einsatz für Tenzin Delek Rinpoche

Aktion in München für Tenzin Delek Rinpoch, 2015 ©TID
Aktion in München für Tenzin Delek Rinpoch, 2015 ©TID

Seit seiner Verurteilung haben wir bundesweit kontinuierlich Aktionen und Mahnwachen für Tenzin Delek Rinpoche organisiert und Unterschriften für seine Freilassung gesammelt. Auf internationalen Druck von Tibet-Unterstützungsgruppen und Menschenrechtsorganisationen wurde sein Todesurteil im Januar 2005 in eine lebenslängliche Haftstrafe umgewandelt. Auch nach seinem Tod haben politische Entscheidungsträger dazu aufgefordert, die Umstände seines Todes, aufzuklären und die chinesische Regierung dabei in die Pflicht zu nehmen. In ganz Europa sind Tibet-Organisationen mit Protestaktion auf die Straße gegangen, um Gerechtigkeit für Tenzin Delek Rinpoches Familie zu fordern.

TID bei Christoph Strässer, ehemaliger Menschenrechtsbeauftragter der Bundesregierung, 2015
TID bei Christoph Strässer, Menschenrechtsbeauftragter der Bundesregierung, 2015

40.000 Tibeter aus Tenzin Delek Rinpoches Gemeinde in  Tibet forderten 2009 in einer Petition die Wiederaufnahme seines Verfahrens. Der Versuch, die Petition der chinesischen Zentralregierung in Peking zu übergeben, scheiterte jedoch. Es folgten Hungerstreiks und Sitzblockaden, bei denen mindestens 90 Menschen festgenommen wurden. Zusammen mit internationalen Tibet-Organisationen hat die TID unterstützend über 40.000 Unterschriften für Tenzin Delek Rinpoche gesammelt und an die chinesische Regierung übermittelt.

Ab Juni 2014 arbeitete die TID zusammen mit dem Internationalen Tibet-Netzwerk an einer neuen Forderung: Tenzin Deleks sofortige Haftentlassung aus medizinischen Gründen. 2014 hatte seine Familie bereits offiziell einen Antrag auf Haftentlassung aus medizinischen Gründen gestellt. Nach chinesischem Recht hätte das Tenzin Delek Rinpoche zugestanden. Aber von den chinesischen Behörden gab es darauf nie eine Antwort. Um den Druck zu erhöhen wurden im Rahmen einer internationalen Petition 21.379 Unterschriften gesammelt und an die Außenministerien, u.a. an  Christoph Strässer, Menschenrechtsbeauftragter der Bundesregierung, überreicht.