31. August 2010 TID-Pressemitteilung

Tibetwoche der Shanghai Expo boykottieren

Berlin, 31.8.2010 – Deutschsprachige Tibet-Unterstützergruppen fordern alle Expo-Besucher und politische Entscheidungsträger auf, den Tibetpavillon der Weltausstellung in Shanghai zu meiden. Besonders die „Tibet Pavillon Special... Mehr...

30. August 2010 AFP

Mindestens vier Tote bei den Umweltprotesten in Sichuan

Bei den Umweltprotesten am 17. August in der Provinz Sichuan sind mindestens vier Tibeter von der chinesischen Polizei erschossen worden. Die Demonstranten hatten sich gegen den Ausbau von Goldminen ausgesprochen.  Mehr...

30. August 2010 Phayul (engl.)

US-Regierung fordert Dialog zwischen Chinesen und Tibetern

Die amerikanische Regierung hat Chinesen und Tibeter zu einem Dialog ohne Vorbedingungen aufgerufen. Gleichzeitig betonte sie die zentrale Rolle des Dalai Lamas bei entsprechenden Verhandlungen.  Mehr...

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TID-Newsletter 22.04.2010

INHALT

1) Verheerendes Erdbeben in Ost-Tibet
2) Weitere politisch motivierte Verhaftungen und Urteile
3) Erneut Cyber-Spionage aus China aufgedeckt
4) Panchen Lama wird 21
5) Dalai Lama besucht Schweiz
6) Erstes Tibetisches Jugendparlament endet mit Resolution
7) Neue Ausgabe Brennpunkt Tibet: Schwerpunkt Umwelt

1) Verheerendes Erdbeben in Ost-Tibet

Am Mittwochmorgen, dem 14. April, ereignete sich in Jyekundo (chin. Yushu), Ost-Tibet, ein schweres Erdbeben der Stärke 7,1. Das Epizentrum des Bebens lag in der sogenannten "Autonomen Tibetischen Präfektur" Yushu in der chinesischen Provinz Qinghai. Obwohl die Gegend unter der chinesischen Verwaltung nicht zur Provinz "Autonome Region Tibet" gehört, liegt sie als Teil der traditionellen tibetischen Region Kham mitten in Tibet. Das Gebiet in 4.000 Meter Höhe wird fast ausschließlich von ethnischen Tibetern bewohnt und ist eine der ärmsten Regionen des Landes. 85% der Häuser in der Gegend, die zumeist aus Lehm und Holz gebaut sind, stürzten ein.

Durch das Erdbeben sind offiziellen Berichten zufolge mehr als zweitausend Menschen ums Leben gekommen. Die Rettungsarbeiten werden durch das gebirgige Terrain und die Wetterbedingungen massiv erschwert. Straßen wurden durch Erdrutsche verschüttet. Den Krankenhäusern fehlt es an medizinischen Einrichtungen und Ärzten.

Peking stellt mit einem Besuch von Präsident Hu Jintao im Katastrophengebiet sowie einer eintägigen Staatstrauer seine Anteilnahme dar. Die chinesische Medien betonen vor allem die Leistung der staatlichen Rettungskräfte. Einen ganz wesentlichen Teil der Hilfsarbeiten haben jedoch tibetische Mönche übernommen. Berichten zufolge wurden die Mönche aus umliegenden Regionen nun allerdings von den Behörden aufgefordert, sofort in ihre Heimatklöster zurückzukehren.

Der Dalai Lama hat am 17. April erklärt, dass er gerne in die betroffene Region reisen würde, um den Opfern vor Ort Trost zu spenden. Tags zuvor hatten Tibeter aus der Erdbebenzone Präsident Hu und Premierminister Wen um einen Besuch des Dalai Lama gebeten. Von chinesischer Seite gab es bislang keine Stellungnahme zu diesem Anliegen.

Unzählige Verletzte brauchen nach wie vor dringend medizinische Versorgung. Mehr als 100.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren und suchen in dünnen Zelten Schutz vor Schneestürmen!

Helfen Sie durch eine Spende an die gemeinnützige
Deutsche Tibethilfe e.V.
Spendenkonto 1226 120 044, Hamburger Sparkasse, BLZ 200 505 50
Stichwort "Erdbeben-Yushu"

oder den
Verein der Tibeter in Deutschland e.V.
Spendenkonto 70 454 000, Kerner Volksbank, BLZ 602 626 93
Stichwort "Erdbebenhilfe Tibet"

Beide Organisationen werden die gesammelten Spendengelder direkt für die betroffenen Menschen in der Erdbebenregion einsetzen.

[n-tv 22.04.2010, AFP 18.04.2010, Radio Free Asia 20.04.2010, dt. Übersetzung]

2) Weitere politisch motivierte Festnahmen, Verhaftungen und Urteile

Zwei tibetische Schriftsteller, Tashi Rabten und Druklo, wurden Berichten zufolge Anfang April in Lanzhou, Provinz Gansu, verhaftet. Tashi Rabten hat ein verbotenes Literaturmagazin herausgegeben sowie eine Artikelsammlung mit dem Titel "Written in Blood" (dt. "Mit Blut geschrieben"). Wegen dieser regimekritischen Veröffentlichungen war er bereits im letzten Juli festgenommen worden.
[Phayul.com 07.04.2010]

Am 3. April haben Schüler in Machu, Bezirk Kanlho, Provinz Gansu erneut friedlich gegen die chinesische Regierung protestiert, weil ihre Schulleitung aufgrund von Demonstrationen im März entlassen worden war. Sie forderten die Wiedereinsetzung des Personals und kündigten an, die Proteste fortzusetzen, bis ihre Forderung erfüllt werde. Ebenfalls in Machu wurde am 8. April ein Mönch namens Tashi Gyatso aus dem Kloster Sarma festgenommen, nachdem tags zuvor Beamte im Kloster deutliche Warnungen ausgesprochen hatten. Es wird vermutet, dass die Festnahme im Zusammenhang mit verbotenen Internet-Inhalten und Telefonkontakten ins Ausland steht.
[TCHRD 09.04.2010, Radio Free Asia 09.04.2010]

In Sertha, Bezirk Kardze, Provinz Sichuan, kam es Ende März/Anfang April zu einer Reihe von Einzel-Demonstrationen für den Dalai Lama, die Unabhängigkeit und Menschenrechte in Tibet. Die teils minderjährigen Demonstraten wurden in allen Fällen umgehend verhaftet. Über die Orte ihrer Inhaftierung ist nichts bekannt. Am 8. April kam es in Sertha zu einem Zwischenfall, als verhaftete Mönche öffentlich durch die Stadt gefahren und geschlagen wurden. Schüler bewarfen die Polizeifahrzeuge mit Steinen, über 30 von ihnen wurden festgenommen, einer der Schule verwiesen.
[TCHRD 08.04.2010, dt. Übersetzung, TCHRD 15.04.2010]

In Ngaba, Provinz Sichuan, hat ein chinesisches Gericht drei Tibeter zu Haftstrafen zwischen 6 und 13 Jahren verurteilt. Ihnen wurde unter anderem Kontakt zu "ausländischen separatistischen Kräften" vorgeworfen.

[Phayul.com 12.04.2010]

3) Erneut Cyber-Spionage aus China aufgedeckt

Nordamerikanische Experten haben erneut ein großangelegtes Spionagenetz im Internet aufgedeckt, das insbesondere Indiens Regierung und Sicherheitsorgane sowie den Dalai Lama ausgespäht hat. Allerdings sind auch andere Länder und die Vereinten Nationen betroffen.

[dpa 06.04.2010]

4) Panchen Lama wird 21

Am 25. April wird Gedun Choekyi Nyima, der 11. Panchen Lama, 21 Jahre alt. 1995 ist der Junge nur wenige Tage nach seiner Anerkennung als Reinkarnation des Panchen Lama von chinesischen Sicherheitskräften entführt worden. Die Kommunistische Partei Chinas hat daraufhin Gyaltsen Norbu zum Panchen Lama ernannt und ihn im Sinne der Partei erzogen. Am 28. Februar hat er sein erstes politisches Amt als Mitglied der Konsultativkonferenz des Chinesischen Volkes erhalten.

Der Aufenthaltsort des echten Panchen Lama ist seit seiner Entführung unbekannt. Erst am 7. März verlautete der neue von China ernannte Gouverneur der "Autonomen Region Tibet", Padma Choling, Gendun Choekyi Nyima führe angeblich ein normales Leben in einem abgelegenen Teil Tibets und "wolle nicht gestört werden".

Der Panchen Lama gilt im tibetischen Buddhismus, aber auch in der tibetischen Kultur und Politik traditionell als die zweitwichtigste Person nach dem Dalai Lama.

[Deutsche Welle 01.03.2010, Basler Zeitung 07.03.2010]

5) Dalai Lama besucht Schweiz

Vom 8. bis 12. April hat der Dalai Lama die Schweiz besucht. Höhepunkte seines Aufenthalts waren neben seiner Teilnahme an der Konferenz "Mind and Life" ein öffentlicher Vortrag, der Festakt "50 Jahre Tibeter in der Schweiz – Merci Schwiiz" sowie sein Besuch einer Solidaritätskundgebung auf dem Zürcher Münsterhof mit mehreren tausend Teilnehmern. Der Bundesrat vermied ein Treffen mit Tibets spirituellem Führer. Außenministerin Calmy-Rey erntete Kritik für die Begründung ihres Fernbleibens, dass Peking jedes Treffen mit dem Dalai Lama als Ermutigung des tibetischen Separatismus betrachte.

[NZZ 09.04.2010, NZZ 10.04.2010, SF Tagesschau 10.04.2010]

6) Erstes Tibetisches Jugendparlament endet mit Resolution

Mit der Übergabe einer gemeinsamen Resolution an den Premierminister der Tibetischen Regierung im Exil Prof. Samdhong Rinpoche und den tibetischen Parlamentspräsidenten Penpa Tsering endete am 11. April in Zürich das erste Tibetische Jugendparlament in Europa. Das Jugendparlament hat unter anderem beschlossen, weiterhin konsequent den Weg des friedlichen und gewaltfreien Widerstands zu beschreiten. Der sino-tibetische Dialog soll aber an drei Bedingungen geknüpft sein: einen neutralen Beobachter, neutralen Boden sowie die Anerkennung einer grundsätzlichen Tibetproblematik durch die chinesische Seite.

[Website des Tibetischen Jugendparlaments]

7) Neue Ausgabe Brennpunkt Tibet: Schwerpunkt Umwelt

Die neue Ausgabe unserer Zeitschrift Brennpunkt TIBET befasst sich schwerpunktmäßig mit der ökologischen Situation in Tibet. Das karge Hochland von Tibet war schon immer sehr empfindlich gegenüber menschlichen Eingriffen. Unter der chinesischen Besetzung kam es zu vielfältigen Schädigungen, sei es durch Überweidung, die großflächige Abholzung oder die schonungslose Wilderei.

Der Journalist und Umweltschützer Dr. Franz Alt betrachtet im Interview insbesondere die neuen Entwicklungen in China, das wachsende Umweltbewusstsein, aber auch die anhaltende Gleichgültigkeit gegenüber den Problemen des tibetischen Volks.

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