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Der Dalai Lama
Die Bezeichnung „Dalai Lama“ stammt ursprünglich aus dem Mongolischen. Dieser Titel wurde Sonam Gyatso, dem damaligen Oberhaupt der Gelug-Schule des tibetischen Buddhismus, Ende des 16. Jahrhunderts vom Mongolenkönig Atan Khan verliehen.
Die politische Herrschaft des Dalai Lama geht auf das frühe 17. Jahrhundert zurück. Damals halfen die Mongolen den Gelugpa, sich in innerpolitischen Konflikten durchzusetzen. Der 5. Dalai Lama Ngawang Lobsang Gyatso wurde zum politischen Oberhaupt Tibets und seither wird er auch als religiöses Oberhaupt anerkannt. Der Dalai Lama gilt als Inkarnation des Bodhisattvas des Mitgefühls.
Der 14. Dalai Lama
Der 14. Dalai Lama wurde 1935 als Sohn einer Bauernfamilie geboren. Als er zwei Jahre alt war, wurde in ihm die Wiedergeburt des zuvor verstorbenen 13. Dalai Lama erkannt. Er wurde 1940 inthronisiert und erhielt den Mönchsnamen Tenzin Gyatso. Kurz nach dem Einmarsch der chinesischen Truppen in Tibet wurden ihm 1950 im Alter von 15 Jahren die Regierungsgeschäfte Tibets übertragen. Nach seiner Flucht ins indische Exil im März 1959 bemüht er sich um eine Lösung der Tibetfrage. Sein friedliches Engagement sowie seine charismatische Persönlichkeit machten ihn international bekannt.
Von den Tibetern wird er als politisches und religiöses Oberhaupt anerkannt, wie auf der Außerordentlichen Vollversammlung in Dharamsala im November 2008 nochmals bestätigt wurde. Seine Rolle als geistiger und politischer Führer des friedlichen tibetischen Kampfes um das Selbstbestimmungsrecht macht ihn zum wichtigsten Hoffnungsträger des tibetischen Volkes. Außer dem friedlichen Kampf für die Freiheit seines Volkes ist es ein Anliegen des Dalai Lama, die tibetische Gesellschaft zu modernisieren und zu demokratisieren, gleichzeitig jedoch die tibetische Kultur und Identität zu bewahren. Er führte zahlreiche Reformen zur Demokratisierung der Regierung im Exil durch, mit der er seine eigene politische Macht immer mehr einschränkte. In einem zukünftigen freien Tibet, so erklärte er, wolle er auf seine politische Macht vollkommen verzichten.
Seit der Besetzung Tibets war der Dalai Lama stets darum bemüht, auf diplomatischem Wege eine Annäherung an China zu erreichen und eine friedliche Lösung im Tibetkonflikt zu finden. 1987 stellte er vor dem US-amerikanischen Kongress den Fünf-Punkte-Friedensplan vor. Dieser sah unter anderem die Umwandlung Tibets in eine Friedenszone, die Achtung der Menschenrechte und der Umwelt in Tibet sowie ernsthafte Verhandlungen über den Status Tibets vor. In seiner Straßburger Erklärung verzichtet der Dalai Lama 1988 auf die Forderung nach staatlicher Unabhängigkeit. Im Gegenzug solle Tibet echte Autonomie erhalten. Diesen „Mittleren Weg“ verfolgt er bis heute. Im Jahr 1989 erhielt er für sein friedliches Engagement den Friedensnobelpreis. Aufgrund der mangelnden Bereitschaft der chinesischen Regierung, zu einer Lösung zu kommen, haben die Anstrengungen des Dalai Lama, darunter auch die acht sino-tibetischen Gesprächsrunden, die zwischen 2002 und 2008 stattfanden, keinen Erfolg gehabt.


