Nochmals 5 Jahre Haft für Umweltschützer

4. Juli 2010 Radio Free Asia

Der 44jährige preisgekrönte tibetische Umweltaktivist Rinchen Samdrup wurde  am Samstag unter der Anklage der Aufhetzung zur Spaltung der Nation zu fünf  Jahren Gefängnis verurteilt.

Das Mittlere Volksgericht von Chamdo sprach Samdrup des Separatismus  schuldig, weil ein Artikel über den Dalai Lama auf seiner Website erschienen  war. Samdrup beteuerte seine Unschuld und sagte vor Gericht, dass jemand  anderes den Artikel eingestellt habe.

"Nach einer 20minütigen Unterbrechung der Sitzung verkündete das Gericht das  Urteil von fünf Jahren Gefängnis. Es scheint mir, dass dieses Urteil schon  lange vor der Verhandlung beschlossen wurde", meinte Samdrups älteste  Tochter Dorjee Sangmo.

Rinchen Samdrups Verurteilung erfolgte eine Woche, nachdem sein Bruder Karma  Samdrup zu der Höchststrafe von 15 Jahren wegen Grabräuberei verurteilt  worden war, obwohl die diesbezüglichen Beschuldigungen bereits 1998 fallen  gelassen wurden.

Rinchen Samdrup leitete eine Umwelt-NGO im Bezirk Gonjo im östlichen Teil  der TAR, dort, wo diese an die Provinz Sichuan angrenzt. Seine Organisation  befasste sich mit Wiederaufforstung, sie gab ein Umweltmagazin heraus und  motivierte die ortsansässige Bevölkerung, Vorfälle von Wilderei zu melden.  Die Gruppe wurde mit Umweltpreisen von Ford Motors und der Jet Li Stiftung  ausgezeichnet.

Samdrup war im August 2009 festgenommen wurden, nachdem er Lokalbeamte im  Bezirk Gonjo der Jagd auf gefährdete Tierarten beschuldigt hatte. "Unser  Vater geriet wegen ein paar Regierungsbeamten der Präfektur Chamdo in diese  schlimme Lage", sagte seine Tochter.

"Wir, seine vier Angehörigen, wurden zwar in den Gerichtssaal  hineingelassen, aber durften nicht mit ihm sprechen. Seit seiner Festnahme  im August vergangenen Jahres haben wir ihn nicht mehr gesehen. Unser Vater  schaute sehr schwach aus. Er scheint immer wieder verhört und durch  Schlafentzug gequält worden zu sein".

Sein Anwalt Xia Jun sagte ebenfalls, dass er Samdrup seit der ersten  Gerichtssitzung im Januar nicht mehr treffen konnte. "Sein Fall ist ganz  besonders, und ich versuchte mein bestes, meine Verteidigung gut  vorzubringen und seine Unschuld zu beweisen. Ich bin sehr enttäuscht über  diese Entscheidung des Gerichts. Unter diesen Umständen kann ich leider  nicht mehr sagen", fügte er hinzu.

Rinchen Samdrup hat eine Frist von 10 Tagen, um gegen das Urteil Berufung  einzulegen, und seine Tochter sagte, er wolle ein höheres Gericht in Lhasa  anrufen. Innerhalb von fünf Tagen müsste der Anwalt die Verurteilungsschrift  bekommen.

"Wir wissen nicht, ob dies das Resultat des persönlichen Grolls von  führenden Beamten gegen diese Familie ist oder ein Angriff auf tibetische  Umweltschützer oder beides zusammen", kommentierte Robbie Barnett, der  Abteilungsleiter für moderne tibetische Studien an dem Weatherhead East  Asian Studies Institute.

"Letztes Jahr, als ich nach Peking fuhr, um eine Petition für meinen Vater  einzureichen, wurde auch ich 10 Tage lang festgehalten", fuhr Rinchen  Samdrups Tochter fort.

Rinchen Samdrups Bruder Karma Samdrup war im Januar festgenommen worden,  nachdem er Rinchen im Gefängnis besucht hatte. Der jüngste Bruder, der  38jährige Chime Namgyal, wurde im August 2009 zusammen mit Rinchen wegen  seiner Tätigkeit bei der NGO festgenommen. Seitdem befindet er sich in einem  Lager zur Umerziehung-durch-Arbeit, weil er angeblich die nationale  Sicherheit beeinträchtigt habe.

Bei dem Überfall der Polizei auf das Haus der Familie vergangenen August,  als Rinchen und sein Bruder Chime festgenommen wurden, drosch ein  Parteikader der Präfektur Chamdo namens Chen Yue auf die 70jährige Mutter  der Familie ein, bis sie das Bewusstsein verlor.

Außer den drei Brüdern sind auch zwei ihrer Cousins Zielscheibe der  Verfolgung geworden. Sonam Choephel wurde zu eineinhalb Jahren  Umerziehung-durch-Arbeit verurteilt, nur weil er eine Gruppe von Leuten  organisierte, die in Peking zugunsten von Rinchen Samdrup Eingaben machte.

Ein weiterer Cousin, der Mönch Rinchen Dorje, der als Karma Samdrups  Dolmetscher fungierte, soll im März festgenommen worden sein und ist nach  Aussage seiner Familie seitdem verschwunden.

Mehrere tibetische Künstler und Intellektuelle wurden in den vergangenen  Monaten festgenommen oder sind verschwunden. Es ist dies die größte Welle  der Unterdrückung tibetischer Kultur und des Ausdrucks tibetischer Identität  seit Jahren. "Ich denke, wir sehen hier sehr deutlich, dass die  Sicherheitskräfte in den tibetischen Gebieten in den letzten zwei Jahren  mehr und mehr Intellektuelle, also Vertreter der Kultur, ins Visier nehmen.  Diese Leute wurden durch die Reaktion der Chinesen auf die Proteste von März  2008 mobilisiert. Rinchen Samdrups Fall passt genau in dieses Muster", fügte  Barnett hinzu.

Quelle: Radio Free Asia

Übersetzung: Adelheid Dönges, Revision: Angelika Mensching

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