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15 Tibeter durch Schüsse in Labrang verletzt
18. Mai 2010 Radio Free Asia
Als die Tibeter in Labrang in der Provinz Gansu eine Straße instand setzen wollten, die eine chinesische Zementfabrik sich angeeignet hatte, schossen die eiligst herbeigeholten Sicherheitskräfte auf sie. Fünfzehn Tibeter wurden verletzt, einer davon schwer, und vier weitere wurden festgenommen. "Ein Tibeter wurde in die Brust getroffen und schwebt nun in Lebensgefahr. Alle Verwundeten kamen ins Krankenhaus", sagte ein Augenzeuge.
Am 15. Mai machten sich Tibeter aus dem Dorf Yarshul im Kreis Hortsang des Bezirks Labrang (chin. Xiahe) daran, eine Straße wieder nutzbar zu machen, die von der "Xiahe Amdo Zement Gesellschaft" in Beschlag genommen worden war. Plötzlich tauchten Mitarbeiter der Firma, Polizeikräfte und Offizielle auf. Der stellvertretende Bezirksleiter forderte die Tibeter auf, innerhalb von 15 Minuten das Feld zu räumen, andernfalls drohte er ihnen mit Gewaltanwendung. Obwohl die Tibeter sich zum Weggehen anschickten, feuerten die Sicherheitskräfte ihre Geschosse auf sie und verletzten dabei 15 Personen.
Einem dortigen Lehrer zufolge hatten sich etwa 200 bis 300 Tibeter an die Ausbesserung der Straße gemacht. Kurzzeitig blockierten sie diese sogar, "bis die Fabrik viele Ordnungskräfte rief, auch die Polizei, die eine Menge Tränengaspatronen abfeuerte. Einige Dorfbewohner wurden dabei verletzt, und mehrere festgenommen".
Eine Angestellte des Public Security Bureau von Xiahe bestätigte, dass es einen Polizeieinsatz bei der Fabrik gegeben habe. "Ich kenne keine Einzelheiten, weil ich nicht dort war. Aber doch, wir schickten unsere Leute hin", sagte sie. Auch ein Mitarbeiter der Xiahe Amdo Zement Fabrik bestätigte, dass es zu einem Zusammenstoß gekommen war, aber wollte nicht ins Detail gehen. "Heute ist alles wieder ruhig, nur am 15. Mai gab es einen Aufruhr. Die Dorfbewohner provozierten uns völlig ungerechtfertigt".
Ein anderer Augenzeuge sagte in Bezug auf die Festgenommenen: "Vier wurden festgenommen, sie heißen Soekho, Jalo, Gonpo Lhundup und Gonpo Thar. Als die chinesischen Sicherheitskräfte eintrafen, feuerten sie auf die Tibeter". Einer anderen Quelle zufolge sei der Tibeter Soekho entkommen und Tselo dafür in Haft genommen worden. Alle befänden sich nun im Haftzentrum von Xiahe. Nach Soekho werde sogar steckbrieflich gefahndet.
Die 1985 gebaute Zementfabrik führte schon öfters zu Spannungen zwischen den chinesischen Besitzern und den Kadern einerseits und der ortsansässigen tibetischen Bevölkerung andererseits. Die Tibeter sind wütend, weil die Behörden ihren Beschwerden über die Umweltverschmutzung durch die Fabrik kein Gehör verleihen. Diese beschäftigt Hunderte von Arbeitern, sie betreibt Lastwagenkolonnen, welche die Straßen blockieren, den Verkehr durcheinanderbringen und Staub aufwirbeln. Sie entlässt Rauch und giftige Gase in die Luft, welche die ganze Umgebung verschmutzen.
"Die Verschmutzung ist wirklich sehr ernst. Aber wir dürfen ja nichts über die Zementfabrik sagen, denn sonst werden wir festgenommen. Auch letztes Jahr kam es zu einer Konfrontation, bei der viele Männer und Frauen Verletzungen davontrugen", sagte der Lehrer ergänzend.
Ein Hauptstreitpunkt sei einem dortigen Tibeter zufolge der an der "weißen Pagode", die den tibetischen Buddhisten sehr wertvoll ist, entstandene Schaden. Die mit ausgebaggerten Steinen beladenen Lastwagen donnern an ihr vorbei. Außerdem erweitern sie die Fabrik ständig und unterhöhlen das Gelände. "Jetzt fahren die schwer beladenen Lastwagen zu dem Berg und zurück, und die weiße Pagode liegt doch direkt an der Straße", sagte der Mann. "Wir vom Dorf fordern, dass die Fabrik ordnungsgemäß betrieben wird. Die Pagode sollte geschützt werden, denn sie ist doch ein Stück unserer Kultur und Religion".
"Am 15. Mai zogen wir vor die Fabrik und protestierten am Tor, aber sie schenkten uns kein Gehör, im Gegenteil sie riefen etwa 300 Polizeikräfte, die ihre Gummiknüppel schwenkten. Dann feuerten sie Tränengaspatronen ab und griffen uns mit ihren Gewehren an", fuhr er fort.
"Die Verschmutzung wird immer schlimmer. Besonders im Sommer müssen die Frauen bei der Feldarbeit Gesichtsmasken tragen. Sogar die Weizenfelder sind von Asche bedeckt, sie sind nicht mehr grün, sondern bieten einen grauen, trostlosen Anblick". Die Tibeter ziehen keinen Nutzen aus der Fabrik. "Den Gewinn teilen die Kader unter sich. Für uns fiel kaum etwas ab. Wir sind sehr ärgerlich. In einigen Dörfern versiegen die Wasserquellen, so dass die Felder und Tiere leiden."
"Die Dorfbewohner reichten seit Jahren immer wieder Beschwerden an die Bezirksverwaltung und andere Regierungsstellen ein, aber alles war umsonst. Sie üben entweder Druck aus oder nehmen die Beschwerdeführer fest und lassen sie irgendwo verschwinden".
In der Petition vom 13. Mai 2010, die "von den Einwohnern aller sieben Dörfer" unterschrieben wurde, wird Entschädigung von der Fabrik gefordert, weil sie "die ganze Gegend verschmutzt, die Felder und Weiden stark beschädigt, ein normales Leben in den Dörfern unmöglich macht, die Straßen zu diesen blockiert und sich Besitztum der Dörfer, Straßen und religiöse Stätten gewaltsam einverleibt".
In der Petition steht auch, dass die Dorfbewohner die Sache dem zuständigen staatlichen Büro für Umweltschutz und den Staatsmedien zur Kenntnis gebracht hätten. Von wie vielen Personen sie unterschrieben wurde und an wen sie genau gerichtet war, ist nicht klar.
Auch in anderen tibetischen Siedlungsgebieten führte der Bergbau in letzter Zeit zu Konfrontationen. In Markham in der TAR protestierten Dorfbewohner Anfangs des Monats gegen eine Bergwerksfirma, wobei mindestens fünf Tibeter verletzt wurden. Den dortigen Einwohnern ist ein Berg in ihrer Nähe sehr heilig: Sie demonstrierten gegen den Mineralabbau an einem Berg namens Ser Ngul Lo, auf dem sie traditionsgemäß ihre Rituale durchführen.
Quelle: Radio Free Asia
Übersetzung: Adelheid Dönges

