Tibetischer Lastwagenfahrer von der Polizei erschossen

3. November 2009 Radio Free Asia

Wird China die tödlichen Schüsse im Polizeigewahrsam in der Provinz Sichuan untersuchen lassen?

Hongkong - Wie aus tibetischen Quellen hervorgeht, hat die Polizei in der Region Kardze in der Provinz Sichuan die Holzladung eines tibetischen LKW-Fahrers beschlagnahmt und ihn dann erschossen.

Ein tibetischer Bewohner der Gegend, der anonym bleiben möchte, sagte, die tödlichen Schüsse seien um den 14. Oktober herum abgegeben worden. Der Lastwagenfahrer, der von mehreren Quellen als Sanggye bezeichnet wird, „wurde an einem Ort namens Satoe zwischen den Bezirken Kardze und Nyagrong in der TAP Kardze (chin. Ganzi) getötet“.

Sanggye, der mit seinem Neffen und dessen Frau auf dem Weg nach Kardze war, wurde von der Polizei angehalten und durchsucht. Diese beschlagnahmte seine Holzladung. Alle drei seien in die dortige Polizeistation verbracht worden, wo Sanggye schwer geschlagen wurde. Sein Neffe schrie die Polizisten an, sofort mit der Misshandlung aufzuhören. Dann hörte er drei Schüsse und sah Sanggye am Boden liegen. Er verständigte die Verwandten per Telefon. Diese brachten Sanggye in ein Krankenhaus, wo er starb.

Die Verwandten hätten diejenigen Polizisten, die sie im Verdacht hatten, Sanggye erschossen zu haben, gepackt und gedroht sie umzubringen, sollte Sanggye sterben. „Doch ein verwandter Mönch intervenierte, woraufhin sie die Polizeibeamten laufen ließen“, heißt es weiter aus der Quelle.

Der Familie seien ungefähr 60.000 Yuan Abfindung geboten worden, nachdem sie gedroht hatte, die Leiche zum Protest öffentlich zur Schau zu stellen, falls die Polizisten, die für die Bluttat verantwortlich sind, nicht zur Rechenschaft gezogen und mit Gefängnis bestraft würden.

„Sanggye, der in der Gegend Lopa von Kardze wohnte, hinterlässt seine Frau Sonam Lhatso und eine Tochter“, fügte ein Bewohner hinzu.

Ein Polizeisprecher von Kardze, der per Telefon kontaktierte wurde, meinte: „Wir kennen keine Einzelheiten, wir hörten nur, ein betrunkener Tibeter sei getötet worden, nachdem er die Polizei angegriffen hatte“.

„Wie haben Sie davon erfahren? Wenn er kein Verbrechen begangen hätte, wäre er auch nicht erschossen worden“, antwortete ein Polizeibeamter im nahegelegenen Dartsedo.

Ein anderer Tibeter wusste zu berichten: „Die chinesischen Polizisten, die Sanggye erschossen haben, wurden nun von Kardze abgezogen und an einen anderen Ort versetzt“. Ob die Polizei eine interne Untersuchung des Vorfalls vornimmt, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden.

Der Bezirk Nyagrong (chin. Xinlong) in der Präfektur Kardze verfügt über größere Holzreserven, aber es gibt dort nicht genug Getreide“, sagte ein in Peking lebender Tibeter.

„Die Bewohner von Nyagrong sammeln Holz als Brennstoff und Baumaterial und tauschen es dann gegen Getreide aus dem Bezirk Kardze aus. Eben dies war das Geschäft des Opfers Sanggye“.

In der TAP Kardze in der Provinz Sichuan kam es seit letztem Jahr immer wieder zu Protestkundgebungen der örtlichen Bewohner gegen die chinesische Herrschaft, weshalb die Lage in der Region angespannt bleibt.

Quelle: Radio Free Asia

Übersetzung: Adelheid Dönges, Revision: Angelika Mensching

Reported by Dolkar, Dorjee Damdul, and Lobsang Chophel for RFA’s Tibetan service. Tibetan service director: Jigme Ngapo. Translations by Karma Dorjee. Written in English by Richard Finney. Edited by Sarah Jackson-Han.

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