Verhaftung wegen Forderung nach ordentlicher Erdbebenhilfe

3. Mai 2010 TCHRD

Am 3. Mai wurde in Lhasa ein Rückkehrer aus dem Exil festgenommen, weil er, wie das Tibetische Zentrum für Menschenrechte und Demokratie (TCHRD) aus zuverlässiger Quelle erfuhr, vor dem Tsuglakhang alleine eine Protestaktion startete.

Etwa sieben Beamte des Public Security Bureau (PAB) nahmen den 28-jährigen Samdup Gyatso fest, als er vor dem Tsuglakhang (Jokhang) Tempel in Lhasa kurz demonstrierte. Um etwa 3.20 Uhr nachmittags, wenn die religiösen Aktivitäten um den Jokhang Tempel in vollem Gange sind, demonstrierte Samdup Gyatso ganz alleine. Er trug die verbotene tibetische Nationalflagge bei sich und hatte eine weitere auf die Rückseite seines Hemdes genäht.

Laut forderte er die baldige Rückkehr des geistlichen Oberhaupts Tibets, die Freilassung des Panchen Lama und die richtige Verwendung der Erdbebenhilfe, die von internationalen Organisationen empfangen wurde, sowie ihre unverzügliche Übergabe an die Nomadengemeinschaft in Kyegudo, die ihrer so dringend bedarf. Er wurde auf der Stelle von dem PSB festgenommen und in einem Polizeifahrzeug weggebracht. Es ist nichts darüber bekannt, wo er sich nun befindet.

Samdup Gyatso entstammt einer Nomadenfamilie im Bezirk Haiyan, TAP Tsojang (chin. Haibei), Provinz Qinghai. Er ist ein ehemaliger Schüler der Sherab Gatsel Lobling, der Transit-Schule in Dharamsala für neu aus Tibet eingetroffene Flüchtlinge. Zuvor war er Mönch im Kloster Jabdrung Gartok in seiner Heimat. Samdup erreichte im November 2007 Indien und ging ein Jahr zur Sherab Gatsel Lobling Schule. Im März 2008 kehrte er über die tibetisch-nepalesische Grenze bei Dram nach Tibet zurück, wo er festgenommen wurde, weil er mehrere Bücher mit Reden des Dalai Lama bei sich hatte. Dann war er einen Monat im Haftzentrum von Shigatse in Haft, danach kam er ins Drapchi-Gefängnis, wo er die nächsten sechs Monate einsaß. Nach seiner Freilassung kehrte er im Oktober 2008 an seinen Heimatort zurück.

Dies ist schon der zweite Fall, dass ein Tibeter im Zusammenhang mit dem Erdbeben in der tibetischen Gegend Kyegudo, bei dem Tausende von Tibetern den Tod fanden und Zehntausende verletzt wurden,verhaftet wurde. Am 23. April wurde der bekannte tibetische Schriftsteller Tagyal aus Xining festgenommen, weil er einen offenen Beileidsbrief an die Opfer der Katastrophe unterzeichnet hatte, worin der chinesischen Regierung vorgeworfen wird, dass sie die Katastrophenhilfe nicht ordnungsgemäß handhabe. Dieser Brief war nur drei Tage nach dem Erdbeben von einigen prominenten tibetischen Intellektuellen aus Xining verfasst worden. Tagyal, der unter dem Pseudonym Shogdung schreibt, arbeitete für den Verlag für nationale Minderheiten in Xining.

Das TCHRD erhebt Einspruch gegen die willkürliche Festnahme von Samdup Gyatso. Er tat nichts, als seine grundlegenden Menschenrechte frei auszuüben, die in der Verfassung der VR China und anderen wichtigen internationalen Abkommen über die Menschenrechte niedergelegt sind, welche die VR China selbst unterschrieben hat. Das Zentrum glaubt, dass die von Samdup bei seinem Protest vorgetragenen Beschwerden den von der Mehrzahl der Tibeter in Tibet geteilten Ansichten entsprechen.

Quelle: TCHRD

Übersetzung: Adelheid Dönges, Revision: Angelika Mensching

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