Der 10. März ist der Nationalfeiertag der Tibeter. Er erinnert an den Volksaufstand von 1959, der von den chinesischen Truppen blutig niedergeschlagen wurde.
Aus Sorge um den Dalai Lama versammelten sich etwa 300.000 Tibeter um seine Sommerresidenz Norbulingka. Sie wollten verhindern, dass er die Einladung, ohne Begleitschutz eine Theatervorstellung im chinesischen Militärlager zu besuchen, annehmen konnte. Das tibetische Volk fürchtete die Entführung ihres Oberhauptes und zwang ihn durch die Umstellung seines Palastes, die Einladung abzusagen. Der in fast 10 Jahren der Besetzung und Unterdrückung aufgestaute Unmut kam dabei zum Ausbruch. Forderungen nach dem Abzug der chinesischen Truppen wurden laut. Die Proteste dauerten über eine Woche an. Am 17. März begannen die chinesischen Truppen damit, Granaten auf Norbulingka zu werfen und der Dalai Lama entschloss sich zur Flucht. In der folgenden Nacht machte er sich auf den Weg ins indische Exil. Am 21. März begann die chinesische Armee mit der massiven Bombardierung des Sommerpalastes, wo sie den Dalai Lama vermutete. Bei diesem Massaker starben tausende von Menschen, die ihr Lager dort aufgeschlagen hatten. Die Mehrheit der Überlebenden wurde verhaftet. Zwischen März 1959 und September 1960 kamen bei Militäraktionen insgesamt 87.000 Tibeter ums Leben, 25.000 wurden verhaftet.
Seitdem hat der 10. März wichtige Symbolkraft für die Tibeter. Er ist ein Tag der Trauer und des Widerstands. Regelmäßig kommt es im März zu Protesten der tibetischen Bevölkerung gegen die chinesischen Besatzer. Auf die Aufstände im März 1989 reagierten die chinesischen Autoritäten mit blutigen Massakern an der tibetischen Bevölkerung. Die Volksbefreiungsarmee verhängte den Kriegszustand über Lhasa und verhaftete mindestens 1.000 Personen.
Im März 2008 kam es erneut zu heftigen Unruhen in ganz Tibet, den größten seit 1959. Die anfangs friedlichen Proteste von tibetischen Mönchen zum Gedenken an die Niederschlagung des Aufstandes im März 1959 eskalierten, nachdem die chinesischen Sicherheitskräfte gewaltsam gegen die Demonstranten vorgingen. Bei den mehrere Wochen andauernden Unruhen starben über 200 Menschen, etwa tausend wurden verletzt, darunter viele Mönche und Nonnen.
Auch in der internationalen Tibet-Bewegung ist der 10. März von besonderer Bedeutung. Jedes Jahr finden an diesem Tag weltweit Solidaritäts-Demos, Mahnwachen und andere Aktionen statt, um auf die immer noch dramatische Menschenrechtssituation in Tibet aufmerksam zu machen.