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TID-Newsletter 12/2011
Liebe Leserin, lieber Leser,
das Jahr 2011 war mit Entwicklungen verbunden, die auch in den kommenden Monaten das Leben von Tibetern überall auf der Welt maßgeblich prägen werden. So gab der Dalai Lama durch seinen politischen Rückzug und die Übergabe aller politischen und administrativen Aufgaben an die neu gewählte Führung unter Premierminister Lobsang Sangay weitere Impulse für den Demokratisierungsprozess der tibetischen Exil-Gemeinschaft. Gleichzeitig zeigte die Welle der Selbstverbrennungen in Tibet, welch drastische Konsequenzen es haben kann, wenn einem Volk langfristig jegliches Freiheitsrecht verwehrt wird. Während im Exil viele Menschen hoffnungsvoll in die Zukunft schauen, drohen die Menschen in Tibet immer mehr zu verzweifeln. Tagtäglich sind sie mit Schikanen und Demütigungen durch chinesische Sicherheitskräfte konfrontiert, immer wieder werden Menschen willkürlich verhaftet, gefoltert oder getötet.
Das vergangene Jahr begann mit diesen Nachrichten und es endet entsprechend: Erneut ist ein Tibeter in Folge einer Selbstanzündung gestorben, wieder wurde ein Tibeter ohne ersichtlichen Grund verhaftet und starb unter ungeklärten Umständen im Gefängnis. Von den täglichen Demütigungen vermitteln Fotos einen Eindruck, die erst jüngst im Internet aufgetaucht sind. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, dass das kommende Jahr bessere Nachrichten für Tibet mit sich bringt. Beteiligen Sie sich an unseren Aktionen und machen Sie so viele Menschen wie möglich auf das Unrecht in Tibet aufmerksam. Auf Dauer wird jedes Volk seine Unterdrücker abschütteln - sei es in Tibet, in China oder in einem anderen Land der Welt.
Wir wünschen Ihnen besinnliche Feiertage und ein gutes Jahr 2012.
Gemeinsam. Stark. Für Tibet.
INHALT
1) Erstmals Selbstanzündung in der Autonomen Region Tibet
2) Neue Fotos bezeugen Polizeibrutalität in Tibet
3) Junger Tibeter stirbt nach Festnahme
4) Wen Jiabao sagt Nepal-Besuch ab
5) Tschechischer Alt-Präsident Václav Havel gestorben
1) Erstmals Selbstanzündung in der Autonomen Region Tibet
Anfang Dezember hat sich erstmals ein Tibeter in der sogenannten Autonomen Region Tibet in der Präfektur Chamdo (chin. Changdu) selbst angezündet. Wie das Tibetan Centre For Human Rights and Democracy (TCHRD) mitteilte, erlag der 46-jährige ehemalige Mönch Tenzin Phuntsok am 6. Dezember seinen schweren Verletzungen. Es handelt sich um den dreizehnten Fall einer Selbstanzündung seit 2009, den zwölften allein in diesem Jahr. Alle bisherigen Selbstanzündungen ereigneten sich außerhalb der von China als „Tibet“ bezeichneten autonomen Region, in den mehrheitlich von Tibetern bewohnten Gebieten der chinesischen Provinz Sichuan. „Die Welle an Selbstverbrennungen weitet sich jetzt auch auf die Autonome Region Tibet aus“, sagte TID-Vorstand Tsewang Norbu. „Die Unterdrückungspolitik der chinesischen Regierung treibt Tibeter überall zu solchen Verzweiflungstaten.“
[Phayul 2.12.2011] [TCHRD 9.12.2011]
Fordern auch Sie die internationale Gemeinschaft dazu auf, sich unverzüglich für ein Ende der Unterdrückungspolitik in Tibet einzusetzen. Für ein Ende der Gewalt bittet die TID, gemeinsam mit anderen Tibet-Organisationen, die internationale "Stand up for Tibet"-Petition zu unterschreiben und zu verbreiten. Jetzt mitmachen! Vielen Dank!
Hintergrund: Vor allem die Lage in Ost-Tibet (Sichuan) ist seit den Unruhen in Lhasa vor drei Jahren angespannt. „Zu der Hoffnungslosigkeit der Mönche haben besonders die Restriktionen in den Klöstern beigetragen“, so der TID-Vorsitzende Wolfgang Grader. „Schon der Besitz eines Dalai-Lama-Bildes ist strafbar und kann zu einer Verurteilung führen.“ Mitte März überschüttete sich erstmals ein Mönch, der 21-jährige Phuntsok aus Ngaba, mit Benzin und erlag seinen Verletzungen. Es folgten anhaltende Proteste, die militärische Stürmung des Klosters Kirti und der Abtransport von mehr als 300 Mönchen zur „patriotischen Umerziehung". Seitdem gibt es immer wieder Meldungen von Selbstverbrennungen in Tibet. Die Bundesregierung hat die chinesische Regierung mehrfach dazu aufgefordert, Transparenz im Zusammenhang mit den Selbstverbrennungen in Ost-Tibet herzustellen. Die USA, das EU-Parlament und die Bundesrepublik Deutschland sind bislang die einzigen, die sich besorgt zur Lage in Tibet geäußert haben.
Mehr Informationen zu den Selbstverbrennungen in Tibet finden Sie auf der TID-Webseite
2) Neue Fotos bezeugen Polizeibrutalität in Tibet
In einem chinesischen Militär-Internet-Forum ("Super Military Forum of China") tauchten Anfang Dezember Aufnahmen von chinesischen Polizeieinsätzen in Tibet auf, die das harte Durchgreifen der Sicherheitsbehörden gegenüber der tibetischen Bevölkerung deutlich machen. Die Aufnahmen stammen aus den Autonomen Präfekturen Ngaba (chin. Aba) und Kandze (chin. Ganzi) der Provinz Sichuan. Einige der Bilder wurden, laut der regierungskritischen chinesischen Website Boxun.com, im April 2008 aufgenommen.
Mehr Informationen sowie die Fotos und ein Video finden Sie auf der TID-Webseite
3) Junger Tibeter stirbt nach Festnahme
Ein junger Tibeter aus Amdo ist im Polizeigewahrsam gestorben. Der Tibeter war zuvor in eine Verkehrskontrolle geraten und festgenommen worden. Die Gründe für seine Festnahme sind unbekannt. Quellen im Exil zufolge wurde er in der Haft schwer gefoltert.
4) Wen Jiabao sagt Nepal-Besuch ab
Der chinesische Premierminister Wen Jiabao hat kurzfristig einen dreitägigen Besuch in Nepal abgesagt. Wens Absage war Titelthema in den meisten Tageszeitungen Nepals, über seine Gründe wurde rege spekuliert. So vertraten einige Medien die Auffassung, Wens Administration habe Sicherheitsbedenken aufgrund von Protesten von Exil-Tibetern im Land. Wens Besuch wäre die erste Reise eines chinesischen Premierministers nach Nepal seit 2001 gewesen.
Hintergrund: Nepal bietet derzeit etwa 20.000 Tibetern Exil, gerät aber zunehmend unter Druck von China, politische Aktivitäten von Tibetern zu unterbinden. Besonders deutlich wurde dies, als die nepalische Polizei während der Exilwahlen der Tibeter Wahlurnen beschlagnahmte. Zudem kam es immer wieder zu Rückführungen von tibetischen Flüchtlingen nach China, und nepalische Polizeikräfte erhielten in Peking eine Spezialausbildung um "anti-chinesische Aktivitäten" zu verhindern. Im März 2011 sagte die Führung der chinesischen Armee den nepalischen Streitkräften eine finanzielle Unterstützung von 19 Millionen Dollar zu. Zuletzt untersagten die nepalischen Behörden den im Land lebenden Exiltibetern, öffentlich den 76. Geburtstag des Dalai Lama am 6. Juli zu feiern.
5) Tschechischer Alt-Präsident Václav Havel gestorben
Der tschechische Alt-Präsident Václav Havel ist am 18. Dezember gestorben. Havel hatte sich immer wieder für Tibet und den Dalai Lama eingesetzt. Obwohl der Dalai Lama mit der wachsenden Macht Chinas zunehmend von Politikern gemieden worden war, empfing ihn Havel im Jahr 1990 und setzte so ein deutliches Zeichen in der internationalen Staatenwelt. Von den chinesischen Repressionen, die dies zur Folge hatte, ließ er sich nicht beeindrucken. Er traf immer wieder mit dem Dalai Lama zusammen, zuletzt zwei Wochen vor seinem Tod.
[FAZ 19.12.2011] [ntv 19.12.2011]
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