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Umweltkampagne
Tagung: "Der Dritte Pol in Gefahr - Chinas Umweltpolitik in Tibet"
Freitag, 25. März 2011, Hessische Landesvertretung, Berlin
"Unser Planet ist unser Zuhause, unser einziges Zuhause. Wo sollen wir hingehen, wenn wir ihn zerstören?" (S.H. der 14. Dalai Lama)
Die fortschreitende Zerstörung der Umwelt in Tibet ist das Resultat einer rücksichtslosen Ausbeutung der natürlichen Ressourcen. Der Abbau von Bodenschätzen, die Abholzung der tibetischen Wälder oder die Stauung und Umleitung von Tibets Flüssen - Chinas Raubbau verfolgt das Ziel, genug Energie und Mineralien für sein eigenes Wirtschaftswachstum bereitzustellen. Die Folgen dieser Umweltzerstörung sind Vertreibung, Hungersnöte, Krankheiten und Trinkwassermangel.
Namhafte Wissenschaftler betonen zudem die globale Bedeutung der Umweltsituation in Tibet, denn ein Drittel der Weltbevölkerung ist von Tibets Wasserressourcen direkt abhängig.
Die Tagung unter der Schirmherrschaft von Dr. Franz Alt ist Teil der Kampagne "GreenTibet.FreeTibet - Gegen Umweltzerstörung. Für Menschenrechte". Damit informiert die TID über Chinas Umweltpolitik in Tibet, deren Auswirkungen auf die Lebenssituation der Tibeter sowie über die globalen Folgen.
Tagungsbericht
Über 100 Besucher folgten am 25. März der Einladung der Tibet Initiative Deutschland (TID) und informierten sich in der Hessischen Landesvertretung in Berlin über die fortschreitende Umweltzerstörung in Tibet. Die rücksichtslose Ausbeutung natürlicher Ressourcen, Chinas Wasserpolitik und die Situation der tibetischen Nomaden waren dabei nur einige der Themen, über die Umweltexperten wie Tenzin Norbu, Claude Arpi und Gabriel Lafitte faktenreich referierten. Der bekannte Autor und Publizist Franz Alt, der die Schirmherrschaft für die Tagung übernommen hatte, sowie der Sondergesandte des Dalai Lama, Kelsang Gyaltsen, begeisterten ebenfalls mit ihren Vorträgen. Während sich Alt einführend vor allem mit der globalen Umweltsituation beschäftigte, erörterte Kelsang Gyaltsen die politische Dimension der Umweltproblematik Tibets und sprach über den Dialog mit der chinesischen Regierung.

- Dr. Franz Alt
„Ohne Menschen ginge es der Welt besser“, zitierte Franz Alt den Dalai Lama in seiner Einführung und machte im Folgenden deutlich, welche Auswirkungen die ungebremste Energieverschwendung der Weltbevölkerung in Zukunft haben wird. So würden wir beispielsweise an nur einem Tag verbrauchen, was die Natur in einer Million Jahre angesammelt habe. Gleichzeitig machte er aber auch auf Lösungsansätze durch neue Technologien aufmerksam. Diese müsse man aber auch nützen und nicht nur ins Museum stellen – wie etwa das Ein-Liter-Auto in Deutschland, das in Japan bereits in Serie produziert würde. „Wenn die Welt vernünftig mit Energie umgeht, hat China einen Grund weniger, Tibet zu besetzen“, sagte Alt abschließend und spielte damit auf die ungezügelte Ausbeutung von Ressourcen auf dem tibetischen Hochplateau an.
Im Anschluss referierte der australische Wissenschaftler Gabriel Lafitte über die Situation der Nomaden, die zunehmend vom Beschützer der Natur zu den Verlierern der Moderne würden. Bekannterweise bezeichne die chinesische Propaganda die Zwangsansiedlung der Nomaden als Fortschritt. Der wahre Grund sei allerdings, günstige Bedingungen für chinesische Siedler zu schaffen, die immer stärker in das Land drängen. Auch die chinesische Regierung rechne mit einer Erwärmung des Erdklimas und spekuliere, dass jene unfruchtbaren Gebiete, welche heute von den Nomaden genutzt würden, in Zukunft der chinesischen Landwirtschaft zur Verfügung stehen könnten.
Nach der Mittagspause beschäftigte sich der französische Tibetexperte Claude Arpi mit „Chinas Wasserpolitik in Tibet“. China sehe Tibet als Wasserreservoir für das eigene Land, was besonders an den enormen Staudammprojekten und der Umleitung der tibetischen Flüsse deutlich würde. Chinesische Funktionäre nähmen damit nicht nur in Kauf, dass unzählige Menschen ihre Heimat verlören, sie würden damit auch soziale Konflikte in anderen Ländern provozieren. Da ein Großteil der Flüsse in den Nachbarländern ihren Ursprung in Tibet hätten, würde dies die Wasserversorgung von hunderten Millionen Menschen bedrohen. Auf bewaffnete Konflikte, die in Zukunft aufgrund von Wasserknappheit entstehen könnten, machte er in diesem Zusammenhang ebenfalls aufmerksam.
Auch Tenzin Norbu, Direktor des Umwelt- und Entwicklungszentrums der tibetischen Exilregierung, setzte sich mit der Ausbeutung von Ressourcen in Tibet auseinander. Er wurde per Video-Übertragung live aus Dharamsala zugeschaltet. Neben der massiven Abholzung der tibetischen Wälder klärte er beispielsweise über Tibets Reichtum an Bodenschätzen auf. Gold, Kupfer, Chrom, Lithium, Salz und Gas würden exzessiv abgebaut – zurück blieben toxische Abfälle, die das Leben von Menschen und Tieren bedrohten. Weiterhin machte er deutlich, dass jeder Tibeter, der sich für die Umwelt einsetze, Gefahr laufe, als Separatist eingestuft und verhaftet zu werden.
Der Sondergesandte des Dalai Lama, Kelsang Gyaltsen, bezeichnete die Umweltproblematik in Tibet zum Abschluss der Veranstaltung als symptomatisch für die Entrechtung des tibetischen Volkes. Derartige Probleme könnten nur dann beigelegt werden, wenn es in der Tibetfrage eine politische Lösung gäbe. Es sei deswegen wichtig, weiterhin auf politische Entscheidungsträger und die Öffentlichkeit einzuwirken. In diesem Zusammenhang lobte er ausdrücklich das Engagement der Tibet Initiative Deutschland, welche sich als älteste Tibet-Unterstützergruppe in Deutschland seit Jahrzehnten für die Interessen des tibetischen Volkes einsetze. Mit ihrer Kampagne „GreenTibet.FreeTibet – Gegen Umweltzerstörung.Für Menschenrechte“ würde sie zudem eine Thematik aufgreifen, die sowohl dem Dalai Lama als auch der Exilregierung sehr wichtig wäre.
Bildergalerie
Tagungsprogramm
10:00 Uhr Einlass
11:00 Uhr Eröffnung durch Wolfgang Grader, Vorsitzender der TID
11:15 Uhr Einführung durch den Schirmherrn Dr. Franz Alt
11:45 Uhr "Tibets Nomaden - Vom Beschützer der Natur zum Verlierer der Moderne?", Gabriel Lafitte
12:45 Uhr Mittagspause, hessisch-tibetisches Buffet
14:00 Uhr "Chinas Wasserpolitik in Tibet", Claude Arpi
15:00 Uhr Kaffeepause
15:30 "Ressourcen ohne Ende? Chinas Umweltpolitik in Tibet und ihre globalen Folgen", Tenzin Norbu
16:30 Uhr Schlusswort von Kelsang Gyaltsen, Sondergesandter des Dalai Lama
17:00 Uhr Ausklang im Foyer
Die Vorträge wurden in Deutsch oder Englisch gehalten und simultan übersetzt. Die Teilnahme an der Tagung war kostenfrei.








