2. August 2010 AP (engl.)

Gericht widerspricht Karma Samdrups Berufung

Umweltaktivist Karma Samdrup, am 24. Juni 2010 zu 15 Jahren Haft verurteilt, hatte gegen das Urteil Berufung eingelegt. Dieser wurde laut seines Anwalt nun vom Gericht widersprochen.  Mehr...

8. Juli 2010 TCHRD (engl.)

Sechstes Familienmitglied festgenommen

Tashi Topgyal, Cousin des Umweltaktivisten Karma Samdrup, wurde am Montag von chinesischen Beamten festgenommen. Er war nach Lhasa gekommen, um seinen verschwundenen Halbbruder zu suchen. Mehr...

4. Juli 2010 Radio Free Asia

Nochmals 5 Jahre Haft für Umweltschützer

Ein chinesisches Gericht in Chamdo, TAR, hat den Umweltschützer Rinchen Samdup, Bruder von Karma Sandrup, wegen "Anstiftung zu Spaltung des Landes" zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Mehr...

29. Juni 2010 HighPeaksPureEarth (engl.)

Tsering Woeser: Meine erste Begegnung mit Karma Samdrup

Die tibetische Schriftstellerin Tsering Woeser schildert in ihrem Blog, wie sie vor Jahren Karma Samdrup begegnete und welchen Eindruck er bei ihr hinterließ. HighPeaksPure Earth übersetzte diesen Beitrag ins Englische. Mehr...

24. Juni 2010 Radio Free Asia

15 Jahre Haft für Karma Samdrup

Der tibetische Umweltaktivist Karma Samdrup wurde heute von einem Gericht der chinesischen Provinz Xinjiang zu 15 Jahren Haft verurteilt sowie zu 5 Jahren Entzug der politischen Rechte und 10.000 Yuan Geldstrafe. Mehr...

„Die Tränen von Karma Samdrups Mutter“ von Tsering Woeser

Am 24. Juni 2010 wurde der tibetische Kunstsammler und Umweltschützer Karma Samdrup von einem chinesischen Gericht zu 15 Jahren verurteilt – sein Bruder, der Umweltaktivist Rinchen Samdrup, kurz darauf zu fünf Jahren Haft.

Drei weitere Familienmitglieder – Tashi Topgyal (Lehrer), Rinchen Dorje (Mönch und Übersetzer) und Sonam Chonpel – verbüßen nun ebenfalls Haftstrafen oder befinden sich in Polizeigewahrsam. 20 Dorfbewohner, die sich für die Brüder eingesetzt hatten, wurden verhört und gefoltert.

Die TID ist sehr besorgt um das Wohlergehen Karma Samdrups und seiner Familie. Wir fordern die sofortige Freilassung aller inhaftierten Familienmitglieder.

Unterzeichnen Sie unsere Online-Petition an den chinesischen Präsidenten Hu Jintao und den chinesischen Justizminster Wu Aiying!

Sie können auch hier die Petition als pdf ausdrucken und bei Veranstaltungen oder im Bekannten- und Feundeskreis Unterschriften sammeln.

Das Bild zeigt Karma Samdrups schwer verletzte Mutter. Im August 2009 drangen Distriktbeamte und Polizisten aus Chamdo in Karma Samdrups Haus im Dorf Zirong, Bezirk Gonjo, ein und nahmen seine Brüder Rinchen Samdrup und Chime Namgyal fest. Dabei verwüsteten sie das Haus, beschlagnahmten Gegenstände und schlugen mit Knüppeln auf die über 70-jährige Mutter der Familie ein. Sie lag danach mehrere Monate im Krankenhaus und leidet noch heute an den Folgen.

Die tibetische Schriftstellerin und Bloggerin Tsering Woeser schildert darin eindringlich die Folgen der Haft für die Familie. Folgenden Artikel veröffentlichte sie am 5. Juni 2011 in ihrem Blog "Invisible Tibet":

Seit Karma Samdrup rechtswidrig festgenommen wurde, sind bereits ein Jahr und fünf Monate vergangen. Erinnert sich überhaupt noch jemand an ihn? Er ist der Karma, den sie den „König der himmlischen Perlen“ nennen, der Karma, der die erste Umwelt-NGO in Tibet gründete, der Karma, der tibetische Kulturartefakte sammelte, um die kollektive Erinnerung Tibets wachzuhalten. Obwohl aller Welt klar war, dass die gegen ihn erhobenen Beschuldigungen erfunden sind, brachten die Gesetze Chinas im Juni letzten Jahres keine faire Entscheidung hervor.

Die Situation scheint aussichtslos. Die Menschen verfolgten mit ungläubigem Blick, wie sich diese Ungerechtigkeit durchsetzte. Sie wurden Zeugen, wie eben jene bösen Menschen, die sich seine Verbrechen ausgedacht hatten, ihn nun zu ganzen 15 Jahren Haft verurteilten. Sie wurden Zeugen, wie er zu Unrecht eingesperrt und in das weit entfernte Land der Sandstürme geschickt wurde. Nach Xinjiang, in den Bezirk Shaya der Präfektur Aksu. Dieser Bezirk ist ein einziges riesiges Gefängnis.

Karma ist allerdings nicht der einzige, der den Behörden in die Hände gefallen ist. Fast zur gleichen Zeit mussten ihm weitere männliche Familienmitglieder ins Gefängnis folgen. Es wurden ganze fünf von ihnen zu Haftstrafen oder Umerziehung durch Arbeit verurteilt.

Im Sommer vorletzten Jahres brachten böse Beamte sogar die Militärpolizei in Karmas Heimatdorf, und nahmen seinen älteren Bruder Rinchen Samdrup und seinen jüngeren Bruder Chime Namgyal fest. Sie durchwühlten nicht nur Kommoden und Schränke und konfiszierten wertvolle Besitztümer, sie gingen auch mit Knüppeln auf seine über 70-jährige Mutter los. Ich habe Bilder der schwer verletzten alten Dame gesehen. Ich kann es kaum fassen, dass die „Armee des Volkes“ für die Schwellungen, Blutergüsse und sogar eiternden Wunden der alten Frau verantwortlich sein soll.

Was ich vor kurzem über Karmas Mutter hörte, macht mich sehr traurig. Sie weiß nur, dass ihr ältester und ihr jüngster Sohn ins Gefängnis gekommen sind. Von Karmas hartem Urteil weiß sie noch nichts. Niemand wagt ihr die Wahrheit zu sagen, sie würde es nicht überleben. Karmas Frau, Dolkar Tso, tröstet sie mit den Worten, Karma habe im Ausland Zuflucht gesucht, und die Mutter mahnt sie immerzu, sie dürfe Karma bloß nicht nach Hause zurückkehren lassen. Während der letzten Telefonate mit ihr, weinte sie nur und brachte keinen Ton heraus. Der Schmerz der sonst so starken alten Dame hat offensichtlich ein unerträgliches Niveau erreicht.

Berichten zufolge ist seit zwei Jahren eine aus Kadern und Polizei bestehende Gruppe in dem Dorf stationiert. Nachdem die drei Brüder den Behörden in die Hände gefallen waren, griff die Gruppe zu verschiedenen Erpressungsmethoden und versuchte Karmas Familienmitglieder vom Rest des Dorfes zu isolieren. Wenn zum Beispiel ein Dorfbewohner erkrankt und zur Behandlung nach Chamdo oder Lhasa fahren muss, dann benötigt er eine offizielle Genehmigung von der Gruppe. Zusätzlich muss er ein separates Dokument unterschreiben oder seinen Fingerabdruck abgeben. Aber was für eine Art Dokument ist das? Es ist voller Falschinformationen, die die Familie Karmas verleumden. Es untersagt, eine Petition an die Regierung zu richten und die Familie Karma Samdrups zu unterstützen. Jeder Dorfbewohner, der einen Kredit aufnehmen oder sich einen abhanden gekommenen Personalausweis neu ausstellen lassen will, wird mit diesen Auflagen konfrontiert.

Ich bat jemanden, sich bei Dolkar Tso nach der Lage zu erkundigen. Unter Tränen sagte sie nur einen einzigen Satz: „Zu Hause sind nur noch Frauen übrig. Warum nur haben wir noch immer nicht aufgegeben?“ […]

Ich habe früher einmal Rinchen Samdrups Tochter getroffen, die so gerne Nonne geworden wäre. Viele Jahre lang half sie ihren Eltern wertvolle Schriften zu retten, aber die CDs und die Computer, auf denen sie die Daten gespeichert hatte, wurden alle von der Polizei konfisziert. Das zusammen mit der Sorge um ihren zu fünf Jahren Gefängnis verurteilten Vater ließen sie schon in einem sehr jungen Alter am Herzen erkranken.

Karmas Frau Dolkar tut nicht nur alles, um ihre zwei Töchter, die nichts vom Schicksal ihres Vaters wissen, ohne Trauma aufwachsen zu lassen, sondern führt auch das Geschäft ihres Mannes weiter. Eine Verantwortung, die sie sich nie ausgesucht hatte. Es ist sehr wichtig für sie, ihren Mann im Gefängnis zu besuchen. Seit letztem Jahr reiste sie schon achtmal ins weit entfernte Xinjiang. Nach Karmas Verurteilung sah sie ihren Mann im Verlauf eines ganzen Jahres nur drei Mal im Gerichtshof, dabei konnte sie seinen, von Folter gezeichneten Körper kaum wiedererkennen.

In ihrem Blog schrieb Dolkar Tso „Bei unserer Zusammenkunft durften wir nur Chinesisch miteinander sprechen“. Das soll aber nicht heißen, dass das tibetische Ehepaar sich nicht auf Tibetisch unterhalten könnte, es bedeutet vielmehr, dass man es ihnen nicht erlaubte. So konnte Karma während der halbstündigen Besuche nur in gebrochenem Chinesisch mit seiner Frau sprechen. Gegenwärtig ist Dolkar Tsos größte Hoffnung daher, zu erreichen, dass Karma in ein Gefängnis nach Tibet verlegt wird, um dort seine Strafe zu verbüßen. Dann könnte er wenigstens Tibetisch sprechen. Sie darf ihren Mann allerdings nur einmal alle drei Monate besuchen und ihr letztes Treffen wurde ohne Begründung gestrichen. […]

Übersetzung: Adelheid Dönges, Revision: Angelika Oppenheimer