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Tibets Flüsse im Würgegriff der Dämme
An den Oberläufen der drei Flüssen Jangtse, Mekong und Saluen in Tibet plant oder baut China derzeit 81 größere Staudammprojekte. Einige dieser Dämme sind bereits fertig. China verfolgt mit diesen Projekten vornehmlich zwei Ziele: Erstens die Energiegewinnung durch Wasserkraft, zweitens die Trinkwasserversorgung chinesischer Großstädte durch Wassertransfer.
Seit 1990 ist Chinas Energiekonsum um fast 70 Prozent gewachsen, und das Land ist heute weltweit der zweitgrößte Energieverbraucher (nach den USA) und der drittgrößte Energieproduzent (nach den USA und Russland). Um seinen enormen Energieverbrauch zu decken, greift China auf Tibets Flüsse zurück, da deren Wasserkraftpotential zu den höchsten auf der ganzen Erde zählt.
Ein großer Teil dieser Energie soll in Zukunft über Hochspannungsleitungen den chinesischen Städten im Osten zugeführt werden. Der Rest soll im Rahmen der Go-West-Kampagne der chinesischen Regierung in Projekte für den groß angelegten Rohstoffabbau, die Erweiterung der Infrastruktur sowie den Städtebau in Tibet fließen.
Chinas Wasserkrise
Der Wassertransfer ist eine Strategie Chinas, um seiner vornehmlich hausgemachten Wasserkrise zu begegnen: 312 Millionen Bewohner ländlicher Regionen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. 70 Prozent aller Flüsse und Seen sind verschmutzt. 20 Prozent der Trinkwasserquellen erreichen nicht den nationalen Sauberkeitsstandard. Von 661 Städten haben 278 keine Kläranlagen und leiten ihre Abwässer direkt in die Flüsse. Zwei Drittel aller chinesischen Städte leiden unter Wasserknappheit. Jedes Jahr verschwinden in China an die dreißig Seen.
Das weltweit größte Wassertransferprojekt namens „Süd-Nord-Wassertransferprojekt“ soll 2010 mit dem Bau seiner westlichen Route beginnen. Dazu sollen in Tibet am oberen Lauf des Jangtse drei riesige Staudämme gebaut werden, um Wasser in den trockenen Norden Chinas umleiten zu können.
Unkontrollierter Bau von Mega-Staudämmen
Der unkontrollierte Bau von Mega-Staudämmen gefährdet das ökologische Gleichgewicht des Fluss- und Seensystem Tibets. Der Jangtse ist laut WWF weltweit am stärksten durch in Bau befindliche oder geplante Dämme bedroht. Mekong und Brahmaputra sind ebenfalls stark betroffen. Die massiven Eingriffe zerstören wertvolle Feuchtgebiete und reduzieren die Bestände von Fischen und Vögeln. Viele Millionen Menschen werden aus ihrer Heimat vertrieben und umgesiedelt, um Platz für riesige Stauseen zu schaffen.
Den flussabwärts liegenden Gemeinden graben Stauseen das Wasser ab und reduzieren die Fischbestände. Die Dämme verringern den Sauerstoff- und den Nährstoffgehalt der Flüsse. Sie behindern Wanderung und Fortpflanzung vieler Süßwasserarten. So droht beispielsweise in China der Jangtse-Flussdelfin zu verschwinden, wenn die Zerstörung seines Lebensraumes wie geplant weiter voranschreitet.




