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Tibet und seine Umwelt - Was ist eigentlich das Besondere?
Die tibetische Hochebene ist ein empfindliches Ökosystem, das in vielerlei Hinsicht einzigartig ist. Wissenschaftler vergleichen die Artenvielfalt des tibetischen Hochlandes mit dem Artenreichtum des Amazonas-Regenwaldes. Wegen der Vielfalt und Komplexität der einzigartigen ökologischen Nischen in dieser gewaltigen Landschaft gilt Tibet immer noch als ein letztes Refugium für viele seltene Pflanzen- und Tierarten unserer Erde.
Vor der chinesischen Besetzung 1949/50 existierte in Tibet ein sehr erfolgreiches Umweltschutzsystem, das seinen Ursprung unter anderem im traditionellen tibetischen Naturverständnis hat. Das buddhistische Prinzip der Wechselwirkung aller Dinge, des Mitgefühls und der Würde aller Lebewesen garantierte einen besonderen Schutz für Landschaften, Tiere und Pflanzen und führte zu einer nachhaltigen Umweltnutzung.
Nachhaltiger Umweltschutz
Bemerkenswert ist auch die Art und Weise, mit der die tibetische Regierung und die religiösen und sozialen Institutionen in Tibet bereits weit vor dem 20. Jahrhundert genaue Regeln und Gesetze für eine nachhaltige Umweltnutzung erfolgreich umgesetzt haben. Die neu gefassten Bestimmungen z.B. zum Arten- oder Lebensraumschutz wurden in den verschiedenen, jeweils betroffenen Gebieten Tibets verteilt und der Bevölkerung laut verlesen. Diese öffentlichen Bekanntmachungen sollten die Menschen auch an ihre spirituelle, nationale und ökologische Verantwortung erinnern.
Bei genauer Betrachtung dieser Erlasse stellt man fest, dass Tibets traditionelles Umweltschutzsystem nicht allein vor dem Hintergrund religiöser Vorstellungen zu betrachten ist. Vielmehr beruht es auf einer ganz genauen Kenntnis des tibetischen Hochplateaus als empfindlichen und für den Menschen extrem schwierigen Lebensraum, der einer besonderen Handhabung mit entsprechenden, wohlüberlegten Maßnahmen bedarf.
Somit entstand in Tibet über die Jahrhunderte ein System, das es den Menschen weitestgehend ermöglichte, mit der Natur in Einklang zu leben. Dennoch war Tibet vor der chinesischen Besatzung kein reines Naturparadies. Auch in Tibet hat der Mensch über Jahrhunderte hinweg selbstverständlich die Natur genutzt: Er hat Ackerbau betrieben, Wälder gerodet, mit seine Viehherden die Vegetation geweidet, Kräuter und Heilpflanzen gesammelt und Wildtiere gejagt.
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